Das Wichtigste in Zahlen
- Über 45 Grad: Neigung, mit der Nutzer laut DGOU meist aufs Handy blicken; dann wirken laut DGOU Kräfte von über 20 kg (Pressemitteilung 2016, ohne Studienangabe). 1
- Odds Ratio 2,34 (95-%-Konfidenzintervall 1,44 bis 3,82): Nackenschmerzen bei übermäßiger Smartphone-Nutzung, Auswertung von 7 Studien mit 10.715 Personen. 2
- 55,8 bis 89,9 %: Spanne der Nacken- und oberen Rückenbeschwerden unter Handynutzern in 18 ausgewerteten Studien, überwiegend Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien. 3
- 1 bis 2 Wochen: Dauer, nach der akute Nackenschmerzen in der Regel abklingen. 6
Was ist ein „Handynacken“?
Handynacken ist ein Alltagsbegriff. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) beschreibt ihn in einer Pressemitteilung so: Mit dem Begriff werde die Überlastung der Wirbelsäule dem verursachenden Gegenstand zugeordnet 1. Gemeint sind Muskelverspannungen sowie Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich, die mit einem ständig geneigten Kopf zusammenhängen sollen 1.
Wichtig ist die Einschränkung, die die DGOU selbst macht: Das Problem entstehe erst, wenn jemand stundenlang mit herabhängendem Kopf und damit in einer unnatürlichen Haltung auf das Display blickt, nicht schon beim kurzen Abrufen von E-Mails 1. Eine untrainierte Muskulatur begünstige es 1. Die Aussage stammt aus dem Jahr 2016 und nennt keine Studie. Sie ist deshalb als Einschätzung einer Fachgesellschaft zu lesen, nicht als gemessene Schwelle.
Wie Nackenschmerzen allgemein einzuordnen sind, sagt das Portal Gesundheitsinformation.de des IQWiG: Oft ist es nicht möglich, eine eindeutige Ursache auszumachen 6. Verschleiß an der Halswirbelsäule löst allein eher selten Nackenschmerzen aus 6, und langes Sitzen am Schreibtisch, oft in ungünstiger Haltung und mit dauernd leicht angespannten Muskeln, kann zu Schmerzen und Steifheit im Nacken führen 6. Für das Smartphone folgt daraus nach unserer Einordnung: Es kann ein Faktor unter mehreren sein, und es kommt häufig zum Bildschirm am Schreibtisch hinzu.
Wie viele Kilo belasten den Nacken wirklich?
Fast jeder Text zum Thema nennt Gewichte, die auf die Halswirbelsäule wirken sollen. Die DGOU schreibt: Bei einer Beugung der Halswirbelsäule von circa 15 Grad nach vorn wirken statt der 4 bis 6 Kilogramm Kopfgewicht zusätzlich 13 Kilogramm auf den Rücken, und je weiter der Kopf nach vorn geneigt wird, desto stärker ist die Belastung 1. Beim Blick aufs Handy senke der Nutzer das Haupt meist um über 45 Grad, dann wirkten Kräfte von über 20 Kilogramm 1.
| Kopfneigung | Angabe der DGOU (Pressemitteilung vom 10.03.2016) |
|---|---|
| aufrecht | Kopfgewicht von 4 bis 6 kg |
| circa 15 Grad | zusätzlich 13 kg |
| über 45 Grad | Kräfte von über 20 kg |
Wiedergabe der Angaben aus der Pressemitteilung 1; keine eigene Messung.
Wie belastbar diese Zahlen sind, lässt sich nicht abschließend sagen. Die Pressemitteilung nennt keine Studie 1. Ein Online-Medium schreibt ähnliche Werte einer Arbeit von 2014 zu, nennt aber teils andere: Bei 15 Grad steige der Druck bereits auf 12 Kilo 11. Das ist nicht dasselbe wie zusätzlich 13 Kilogramm, und beide Angaben passen nur in der Größenordnung zusammen. In der Zusammenfassung der genannten Arbeit steht, dass sie die Kräfte auf die Halswirbelsäule untersucht, während der Kopf nach vorn geneigt wird; Zahlen enthält die Zusammenfassung nicht 4.
Deshalb finden Sie hier keine einzelne „richtige“ Kilozahl. Lesen Sie die Werte als Größenordnung mit Quelle: Je stärker der Kopf nach vorn geneigt wird, desto stärker ist laut DGOU die Belastung 1. Wie viel das für Ihren Nacken bedeutet, hängt von Dauer, Muskeltraining und weiteren Faktoren ab, die in keiner dieser Zahlen stecken.
Was zeigen Studien zu Smartphone und Nackenschmerzen?
Zwei Übersichtsarbeiten liegen vor. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete sieben retrospektive Studien mit insgesamt 10.715 Personen aus; das Durchschnittsalter lag je nach Studie zwischen 19,9 und 42,9 Jahren 2. Wer ein Smartphone übermäßig nutzte, hatte ein signifikant höheres Risiko für Nackenschmerzen (zusammengefasstes adjustiertes Odds Ratio 2,34; 95-%-Konfidenzintervall 1,44 bis 3,82) 2. Die Autorinnen und Autoren schreiben selbst, dass der Zusammenhang zuvor unklar war 2. Eine einheitliche Stundenzahl für „übermäßige“ Nutzung nennt die Zusammenfassung nicht 2.
Eine systematische Übersicht von 2021 sichtete 18 Studien zu Beschwerden bei Handynutzung. Nacken und oberer Rücken waren am häufigsten betroffen, mit Anteilen zwischen 55,8 und 89,9 % unter den Nutzern 3. Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die Belege eingeschränkt sind, weil die Daten aus Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien stammen, und fordern hochwertigere, prospektive Studien 3.
| Arbeit | Umfang | Befund | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Meta-Analyse 2025 2 | 7 retrospektive Studien, 10.715 Personen | höheres Risiko für Nackenschmerzen bei übermäßiger Nutzung (Odds Ratio 2,34) | Die Zusammenfassung nennt keine Grenzen. Unsere Einordnung: Zusammenhang, kein Nachweis einer Ursache; retrospektive Studien |
| Systematische Übersicht 2021 3 | 18 Studien | Nacken und oberer Rücken mit 55,8 bis 89,9 % am häufigsten betroffen | laut Autoren: Querschnitts- und Fall-Kontroll-Daten, prospektive Studien nötig |
Die Spalte „Grenzen“ nennt bei Zirek et al. die Hinweise der Autoren aus der Zusammenfassung, bei der Meta-Analyse unsere Einordnung.
Beide Arbeiten zeigen also einen Zusammenhang, aber keine Ursache. Dass Smartphone-Nutzer häufiger Nackenschmerzen angeben, beweist nicht, dass das Gerät sie auslöst: Menschen mit Beschwerden könnten ihr Gerät anders halten oder länger nutzen, und Schreibtischarbeit, Stress und Training spielen ebenfalls hinein. Die AOK schreibt ohne Studienangabe, es gelte als sehr wahrscheinlich, dass sich die andauernde Nutzung eines Smartphones ebenso wie lange Bildschirmzeiten negativ auf die Nacken- und Rückenmuskulatur auswirkt und zu Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen führen kann 5. Ob Menschen, die mit Smartphones aufgewachsen sind, im Alter häufiger einen Rundrücken haben werden, lasse sich heute noch nicht sagen 5.
Was lässt sich im Alltag ändern?
Die Empfehlungen der DGOU sind einfach. Sie sind Ratschläge einer Fachgesellschaft; dass sie Nackenschmerzen verhindern, belegen die Quellen nicht.
- Gerät höher halten: Mobile Geräte näher vor das Gesicht bringen und lieber die Augen senken als Kopf und Nacken 1.
- Pausen einlegen: Regelmäßig Pausen machen und zwischendurch Lockerungsübungen einbauen 1.
- Muskulatur trainieren: Die DGOU rät zu ein- bis zweimal Sport pro Woche und zu Rückengymnastik 1; Gesundheitsinformation.de schreibt, den Nacken gezielt zu trainieren, könne Nackenschmerzen vorbeugen 6.
- In Bewegung bleiben: Selbst bei Nackenschmerzen ist es nach gesund.bund.de meist wichtig, sich zu bewegen und dem Alltag wie gewohnt nachzugehen 7.
Am Schreibtisch kommt die Bildschirmhöhe dazu. Die DGOU nennt als Idealfall, dass die oberste Bildschirmzeile unterhalb der Augenhöhe liegt 1. Die Techniker Krankenkasse empfiehlt einen Abstand zwischen Augen und Monitor von 45 bis 80 cm und weist darauf hin, dass ein Monitor, der auf dem Rechner steht, in der Regel zu hoch steht 9. Ausführlicher zur Einstellung des Arbeitsplatzes steht in Richtig sitzen am Schreibtisch, zu Nackenschmerzen im Büro in Nackenschmerzen am Schreibtisch.
Wer die Haltung insgesamt verbessern möchte, findet Hintergründe in Haltung verbessern und eine Einordnung von Hilfsmitteln in Geradehalter: Wirkung und Grenzen. Bleibt der Rücken rund, hilft der Ratgeber zum Rundrücken. Für das lange Sitzen selbst lohnt der Blick auf Sitzen: Pausen und Bewegung.
Wie lange dauern Nackenschmerzen, und wie häufig sind sie?
Akute Nackenschmerzen klingen laut Gesundheitsinformation.de in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab; halten die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen 6. Die DEGAM-Leitlinie nennt für Deutschland, dass 46 % der Menschen angeben, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Nackenschmerzen gehabt zu haben 8. Nackenschmerzen sind also häufig, und nur ein Teil davon hängt mit dem Smartphone zusammen.
Nur sehr selten weisen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung oder einen Notfall hin 6. Für die Fälle, in denen das doch so ist, gibt es klare Anzeichen; sie stehen im Abschnitt zum ärztlichen Rat weiter unten.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Diese Seite ersetzt keine Untersuchung. Gesundheitsinformation.de nennt Situationen und Anzeichen, bei denen rasche ärztliche Hilfe wichtig ist 6. Suchen Sie ärztlichen Rat,
- nach einem vorangegangenen Unfall oder bei gleichbleibend starken Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung 6;
- wenn sich der Kopf nicht mehr zur Brust beugen lässt (Genickstarre), bei Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit 6;
- bei Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang, bei unerklärlichem Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost 6;
- bei Nervenstörungen, Lähmungserscheinungen oder Problemen, den Arm oder die Finger zu bewegen 6; auch dauerndes Kribbeln, häufig eingeschlafene Hände oder Beine, Schwäche in den Beinen und Probleme mit der Balance beim Gehen sollten ärztlich abgeklärt werden 6;
- wenn Sie unsicher sind: Außerhalb der Sprechstundenzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117; bei Lebensgefahr wählen Sie die 112 10.
Häufige Fragen
Ist Handynacken eine Krankheit?
Handynacken ist ein Alltagsbegriff. Die DGOU beschreibt damit die Überlastung der Wirbelsäule, die dem verursachenden Gegenstand zugeordnet wird 1. Allgemeine Hinweise zu Nackenschmerzen finden Sie bei Gesundheitsinformation.de 6.
Wie viele Kilo belasten den Nacken beim Blick aufs Handy?
Die DGOU nennt bei etwa 15 Grad Beugung zusätzlich 13 Kilogramm zum Kopfgewicht von 4 bis 6 Kilogramm und über 20 Kilogramm bei über 45 Grad 1. Die Pressemitteilung nennt keine Studie, und andere Veröffentlichungen geben abweichende Werte an 11. Sie sind als Größenordnung zu lesen.
Verursacht das Smartphone Nackenschmerzen?
Eine Meta-Analyse fand bei übermäßiger Nutzung ein höheres Risiko für Nackenschmerzen (Odds Ratio 2,34) 2. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache; die Datenlage stammt überwiegend aus retrospektiven Studien und Querschnittsstudien 2,3.
Kann man Handynacken vorbeugen?
Die DGOU rät, das Gerät näher vors Gesicht zu bringen und die Augen statt Kopf und Nacken zu senken, regelmäßig Pausen zu machen und die Muskulatur zu stärken 1. Gesundheitsinformation.de schreibt, gezieltes Training des Nackens könne Nackenschmerzen vorbeugen 6.
Wie lange dauern Nackenschmerzen?
Akute Nackenschmerzen klingen in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Über drei Monate spricht man von chronischen Nackenschmerzen 6.
Ab wann brauche ich bei Nackenschmerzen ärztliche Hilfe?
Nach einem Unfall, bei Genickstarre, Lähmungen, Kontrollverlust über Blase oder Darm, Fieber, Schüttelfrost, unerklärlichem Gewichtsverlust oder gleichbleibend starken Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung 6. Bei Unsicherheit hilft der Bereitschaftsdienst unter 116 117 10.
Ist die Haltung am Schreibtisch wichtiger als die am Handy?
Beides spielt hinein. Gesundheitsinformation.de nennt langes Sitzen am Schreibtisch in ungünstiger Haltung als mögliche Ursache für Nackenschmerzen 6, und die AOK sieht lange Bildschirmzeiten insgesamt als wahrscheinlich ungünstig für die Nacken- und Rückenmuskulatur 5. Eine Rangfolge geben die Quellen nicht an.
Quellen
- Rückengesundheit: Orthopäden und Unfallchirurgen geben Tipps gegen den Handynacken (Pressemitteilung vom 10.03.2016), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), über Informationsdienst Wissenschaft (idw). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Association of smartphone overuse and neck pain: a systematic review and meta-analysis, Postgraduate Medical Journal, Chen et al., 2025 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- A systematic review of musculoskeletal complaints, symptoms, and pathologies related to mobile phone usage, Musculoskeletal Science and Practice, Zirek et al., 2021 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Assessment of stresses in the cervical spine caused by posture and position of the head, Surgical Technology International, Hansraj, 2014 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Haltung erhalten: Rundrücken vorbeugen, AOK. Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Nackenschmerzen, Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Nackenschmerzen, Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Abgerufen am 19. Oktober 2026
- DEGAM-Leitlinie S3 Nicht-spezifische Nackenschmerzen, Langfassung, Version 3.0, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), AWMF 053-007. Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Abstand und Höhe: So stellen Sie Ihren Monitor richtig auf, Techniker Krankenkasse (TK). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Wen anrufen: 116117 oder 112?, 116117.de, Kassenärztliche Bundesvereinigung. Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Haltungsproblem: Warum Smartphone-Nutzer häufig an Nackenschmerzen leiden, t-online (Medienbericht). Abgerufen am 19. Oktober 2026