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Oberschenkelhalsbruch: Symptome, Operation, Reha und Zahlen

Ein Oberschenkelhalsbruch ist ein Bruch am Hals des Oberschenkelknochens und trifft vor allem ältere Menschen nach einem Sturz 1. Typisch sind starke Schmerzen in Hüfte und Leiste. In der Regel ist eine Operation nötig, möglichst innerhalb von 24 Stunden 1,2. Bei Verdacht rufen Sie sofort Hilfe, allein die 112, und stehen Sie nicht selbst auf 8.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 88.498 Krankenhausfälle mit Oberschenkelhalsbruch gab es 2022 in Deutschland (129 je 100.000 Einwohner), die häufigste Frakturform. 5
  • 24 Stunden: Ziel des G-BA für die Operation nach Aufnahme oder Sturz im Krankenhaus, wenn der Allgemeinzustand es zulässt. 2
  • 9,9 % und 26,9 %: Sterblichkeit nach 30 Tagen und im ersten Jahr in einer Auswertung von Kassendaten (7.905 Personen, Durchschnittsalter 81,5 Jahre). 3
  • Rund 50 %: Anteil der Operierten, deren Pflegestufe (Einstufung bis 2016) sich nach der Operation verschlechterte (dieselbe Auswertung). 3
  • 12 bis 35 %: Spanne der Einjahressterblichkeit nach einer Hüftfraktur laut Literatur, die ein Fachblatt zitiert. 4

Was ist ein Oberschenkelhalsbruch und wie entsteht er?

Am oberen Ende des Oberschenkelknochens sitzt der abgewinkelte Oberschenkelhals mit dem kugeligen Hüftkopf, der zusammen mit der Hüftpfanne das Hüftgelenk bildet. Bricht der Hals des Knochens, spricht man vom Oberschenkelhalsbruch, auch Schenkelhals- oder Femurhalsfraktur genannt 1. Betroffen sind vor allem ältere Menschen: Die Techniker Krankenkasse nennt ihn einen häufigen Grund für eine Krankenhauseinweisung bei Menschen über 65 Jahren 1.

Warum gerade im Alter? Das Sturzrisiko ist meist höher, weil die Sehkraft abnimmt, der Gang unsicherer wird und gelegentlich Schwindel auftritt. Zugleich nimmt die Knochendichte ab, und vor allem für Frauen steigt das Risiko für eine Osteoporose. Dann reicht oft schon ein leichter Sturz, damit ein Knochen bricht 1. Jüngere Menschen können sich den Bruch ebenfalls zuziehen, dafür ist normalerweise aber eine größere Gewalteinwirkung nötig, etwa bei einem Verkehrsunfall 1.

Wie häufig ist der Bruch? Eine Auswertung von Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamts zeigt für 2022 insgesamt 88.498 erfasste Fälle, das entspricht 129 je 100.000 Einwohner. Der Oberschenkelhalsbruch war damit die häufigste aller stationär behandelten Frakturformen 5.

Woran erkennt man einen Oberschenkelhalsbruch?

Nach der Darstellung der TK gehören zu den typischen Anzeichen 1:

  • Blutergüsse und Schwellungen über dem Hüftgelenk,
  • starke Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich, die bei jeder Bewegung zunehmen,
  • viele Betroffene schaffen es nicht mehr, das verletzte Bein anzuheben,
  • bei verschobenem Bruch kann das Bein verkürzt oder nach außen verdreht sein.

Die Diagnose sichert normalerweise eine Röntgenaufnahme; weitere Verfahren wie eine Computertomografie sind nur in Einzelfällen nötig 1. Je früher ein Schenkelhalsbruch erkannt und behandelt wird, desto weniger Komplikationen treten laut TK auf 1. Was nach einem Sturz zu tun ist, erklärt der Ratgeber Sturz im Alter: Was tun?.

Wie wird ein Oberschenkelhalsbruch behandelt?

Selten ist der Bruch stabil und nicht verschoben und kann allein durch Ruhigstellung und gezielte Krankengymnastik ausheilen. In der Regel ist eine Operation nötig 1. Zwei Wege kommen je nach Bruchart infrage 1:

  • Der Hüftkopf bleibt erhalten: Die Knochenteile werden in die richtige Stellung gebracht und mit Schrauben und Platten befestigt.
  • Der Hüftkopf wird ersetzt: Eingesetzt wird eine Endoprothese, entweder nur als Ersatz des Hüftkopfes oder als Totalendoprothese mit Gelenkkopf und Gelenkpfanne.

Wie schnell soll operiert werden? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat 2019 Vorgaben beschlossen, damit Betroffene in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme oder nach einem Sturz im Krankenhaus operiert werden können, sofern es der Allgemeinzustand zulässt 2. Eine Auswertung von Daten einer deutschen Krankenkasse fand, dass das relative Risiko für Tod, Druckgeschwür und frühe Nachoperation um etwa ein Drittel höher lag, wenn nach mehr als 24 Stunden operiert wurde 3. Das ist ein statistischer Zusammenhang aus Beobachtungsdaten, kein Beweis für die Ursache.

Jede Operation hat Risiken. Die TK nennt Blutergüsse, Nachblutungen, Nervenverletzungen, Infektionen und Thrombosen; bei einer Prothese kommen unter anderem ein Auskugeln des Gelenks und eine Lockerung der Prothese hinzu 1. Das individuelle Risiko hängt von Alter und Begleiterkrankungen ab.

Behandlungsweg nach einem OberschenkelhalsbruchFünf Schritte: Verdacht und ärztliche Hilfe, Röntgen, Operation in der Regel innerhalb von 24 Stunden, Mobilisation ab dem ersten Tag nach der Operation, Rehabilitation.1VerdachtHilfe rufen, Arzt2Röntgensichert Diagnose3Operationmeist in 24 Stunden4Mobilisationwenn möglich ab Tag 15Rehameist nötig
Typischer Ablauf nach TK und G-BA; der Verlauf ist individuell. Eigene Darstellung.

Reha und Mobilisation: Was kommt nach der Operation?

Schonung und Bettruhe nach der Operation gelten beim Oberschenkelhalsbruch als überholt. Wenn möglich, beginnen die Betroffenen schon am ersten Tag nach dem Eingriff mit krankengymnastischen Übungen; mit dem Physiotherapeuten setzen sie sich auf die Bettkante und versuchen mitunter erste Schritte 1. Um wieder fit zu werden und ins gewohnte Umfeld zurückzukehren, ist meist eine längere Anschlussheilbehandlung nötig, ambulant oder stationär 1.

Wie lange das dauert, lässt sich nicht allgemein sagen: Der Verlauf ist individuell und hängt unter anderem von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten ab, eine für jeden gültige Prognose ist nicht möglich 1. Wer weiter zu Hause wohnen möchte, kann mit baulichen Veränderungen wie Haltegriffen und Rampen unterstützt werden; Ansprechpartner sind der Sozialdienst im Krankenhaus, die Hausärztin oder der Hausarzt, der ambulante Pflegedienst und die Krankenkasse 1. Ob ein Pflegegrad infrage kommt, klärt die Pflegekasse; Beratung bieten der Sozialdienst der Klinik und die Krankenkasse.

Verlauf und Sterblichkeit: Was deutsche Daten zeigen

Genaue Zahlen zum Verlauf hängen stark davon ab, welche Menschen untersucht wurden. Die folgende Übersicht zeigt die Zahlen aus den ausgewerteten Quellen, mit Quelle und Einordnung.

Zahlen zum Oberschenkelhalsbruch in Deutschland und in Studien
KennzahlWertEinordnung und Quelle
Krankenhausfälle Schenkelhalsfraktur 202288.498 (129 je 100.000 Einwohner)Stationäre Fälle, Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamts 5
Sterblichkeit nach 30 Tagen9,9 %Kassendaten, 7.905 Personen, Durchschnittsalter 81,5 Jahre, Veröffentlichung 2013 3
Sterblichkeit im ersten Jahr26,9 %dieselbe Auswertung 3
Sterblichkeit nach zwölf Monaten23,2 %spanische Studie mit 509 Personen, berichtet im Geriatrie-Report 2018 4
Spanne der Einjahressterblichkeit12 bis 35 %laut Literatur, vom Geriatrie-Report zitiert 4
Verschlechterung der Pflegestuferund 50 %Kassendaten, nach der Operation; Pflegestufen galten bis 2016, seit 2017 gibt es Pflegegrade 3
Wechsel von ambulanter in stationäre Pflegefast 40 %Kassendaten 3

Die Werte stammen aus unterschiedlichen Gruppen und Zeiträumen und sind nicht untereinander vergleichbar. Sie sind Gruppenwerte, keine Vorhersage für Einzelne.

Sterblichkeit nach Oberschenkelhalsbruch in zwei AuswertungenAnteil der Verstorbenen in Prozent: 9,9 nach 30 Tagen und 26,9 im ersten Jahr in deutschen Kassendaten, 23,2 nach zwölf Monaten in einer spanischen Studie.30 Tage, Kassendaten9,9 %1 Jahr, Kassendaten26,9 %1 Jahr, Studie aus Spanien23,2 %
Anteil der Verstorbenen nach Oberschenkelhalsbruch. Eigene Darstellung nach Der Unfallchirurg 2015 und Geriatrie-Report 2018.

Die TK nennt bleibende Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit als seltene Folge 1. Die Kassendaten zeigen bei rund der Hälfte der Operierten eine Verschlechterung der Pflegestufe (Einstufung vor 2017) und bei fast 40 % einen Wechsel von ambulanter in stationäre Pflege 3. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Gruppen. Die Autoren der Auswertung schließen daraus auf einen deutlichen Verlust an Lebensqualität und die Bedeutung der Rehabilitation 3. Die Quellen beantworten verschiedene Fragen und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.

Wie lässt sich einem Oberschenkelhalsbruch vorbeugen?

Verhindern lässt sich ein Bruch nie sicher. Die Quellen nennen aber Ansatzpunkte, die das Risiko verringern können:

  • Osteoporose ärztlich behandeln lassen: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist darauf hin, dass Osteoporose das Sturzrisiko deutlich erhöhen kann und großen Einfluss auf die Folgen eines Sturzes hat 7. Calcium und Vitamin D als Tabletten sollten Sie nur nach Rücksprache mit der Hausärztin oder dem Hausarzt einnehmen 7.
  • Medikamente prüfen lassen: Die DVO-Leitlinie verlangt, Arzneimittel, die Osteoporose oder Stürze begünstigen können, regelmäßig zu überprüfen (Empfehlungsgrad A) 6.
  • Kraft, Balance und Koordination trainieren: Die Leitlinie sieht ein individuelles Programm im Rahmen der Osteoporosetherapie vor (Grad A) 6. Ein Kurs zur Sturzprophylaxe schult Trittsicherheit und Gleichgewicht 1; Übungen stellt der Ratgeber Gleichgewichtstraining für Senioren vor.
  • Wohnung und Alltag anpassen: Haltegriffe, keine Stolperfallen wie rutschende Teppiche oder lose Kabel, festsitzende Hausschuhe; bei schlechterem Sehen oder Hören oder häufigem Schwindel ärztlich abklären lassen 1.
  • Schutz in der Hose: Die DVO-Leitlinie empfiehlt Hüftprotektoren für Ältere mit erhöhtem Sturzrisiko mit Grad B 6; die Studienlage fasst der Ratgeber Hüftprotektor zusammen.

Ab 70 Jahren sollte laut DVO-Leitlinie jährlich nach Stürzen gefragt werden, ebenso nach einem Sturz oder einer sturzbedingten Fraktur 6. Wer Stürze erlebt hat, sollte das also von sich aus in der Praxis ansprechen. Einen Überblick gibt der Ratgeber Sturzprävention im Alter.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ein Oberschenkelhalsbruch muss ärztlich untersucht und behandelt werden. Handeln Sie rasch,

  • wenn nach einem Sturz starke Schmerzen in Hüfte oder Leiste auftreten, die sich bei Bewegung verstärken, die Hüfte geschwollen ist oder das Bein nicht mehr angehoben werden kann: Rufen Sie Hilfe, bei Verdacht auf einen Bruch die 112, und stehen Sie nicht selbst auf 1,8;
  • wenn Sie gestürzt sind, Schmerzen haben und allein sind: Das BIÖG rät, bei erreichbarem Telefon die 112 anzurufen, ein vorhandenes Hausnotrufsystem zu nutzen und sich bemerkbar zu machen 8;
  • wenn Sie nicht allein sind: Rufen Sie gemeinsam weitere Hilfe, wenn Schmerzen bestehen 8;
  • wenn nach der Operation Beschwerden oder Fragen auftreten: Wenden Sie sich an die behandelnde Klinik oder Ihre Hausarztpraxis; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 9.

Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie in Deutschland die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich einen Oberschenkelhalsbruch?

Typisch sind starke Schmerzen in Hüfte und Leiste, die bei Bewegung zunehmen, Schwellungen und Blutergüsse über der Hüfte und die Unfähigkeit, das Bein anzuheben; bei verschobenem Bruch kann das Bein verkürzt oder nach außen gedreht sein 1. Die Diagnose sichert meist eine Röntgenaufnahme.

Muss ein Oberschenkelhalsbruch immer operiert werden?

In der Regel ja. Selten ist der Bruch stabil und nicht verschoben und kann durch Ruhigstellung und gezielte Krankengymnastik ausheilen 1. Die Entscheidung trifft das ärztliche Team.

Wie schnell muss nach einem Oberschenkelhalsbruch operiert werden?

Der G-BA zielt darauf, dass in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme oder Sturz im Krankenhaus operiert wird, wenn der Allgemeinzustand es zulässt 2.

Wie hoch ist die Sterblichkeit nach einem Oberschenkelhalsbruch?

Je nach Auswertung unterschiedlich: In Kassendaten (Veröffentlichung von 2013) lag sie bei 9,9 % nach 30 Tagen und 26,9 % im ersten Jahr 3; die Literatur nennt für das erste Jahr eine Spanne von 12 bis 35 % 4. Das sind Gruppenwerte, die vom Alter und von Vorerkrankungen abhängen.

Wie lange dauert die Reha nach einem Oberschenkelhalsbruch?

Das lässt sich nicht allgemein sagen. Meist folgt auf die Operation eine längere Anschlussheilbehandlung, ambulant oder stationär; der Verlauf ist individuell 1.

Wird man nach einem Oberschenkelhalsbruch pflegebedürftig?

Die TK nennt bleibende Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit als seltene Folge 1; in einer Auswertung von Kassendaten verschlechterte sich bei rund 50 % der Operierten die Pflegestufe (Einstufung bis 2016) 3. Beratung bieten der Sozialdienst der Klinik und die Krankenkasse 1.

Kann man einem Oberschenkelhalsbruch vorbeugen?

Sicher verhindern lässt er sich nicht. Ansatzpunkte sind die Behandlung einer Osteoporose, die Prüfung von Medikamenten, Kraft- und Gleichgewichtstraining sowie eine sturzsichere Wohnung 1,6,7.

Schützt ein Hüftprotektor vor dem Bruch?

Laut Cochrane-Übersicht senkt er das Risiko wahrscheinlich leicht in Pflegeeinrichtungen, bei Menschen zu Hause zeigte sich kaum ein Effekt. Mehr im Ratgeber zum Hüftprotektor.

Quellen

  1. Oberschenkelhalsbruch: Schnell passiert, oft vermeidbar, Techniker Krankenkasse (TK), 24.01.2024. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  2. Neue Richtlinie zur Qualitätssicherung: Frühestmögliche Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Pressemitteilung vom 22.11.2019. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Einjahresverläufe nach proximalen Femurfrakturen: Poststationäre Analyse von Letalität und Pflegestufen durch Kassendaten, Der Unfallchirurg 2015;118:780-794 (Springer). Abgerufen am 16. Oktober 2026. Zusammenfassung gelesen; Daten einer Krankenkasse, Veröffentlichung 2013.
  4. 8 Faktoren erhöhen das Sterberisiko nach Hüftfraktur, Geriatrie-Report 2018;13 (Springer). Abgerufen am 16. Oktober 2026. Fachjournalistischer Bericht über eine spanische Studie.
  5. Prevalence of Fractures in the Adult Population of Germany, Deutsches Ärzteblatt International 2025, auf Basis der Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamts 2022. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. Kurzfassung der DVO-Leitlinie 2023: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose (AWMF-Register 183-001), Version 2.2, Dachverband Osteologie (DVO). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. Wie Sie Sturzrisiken vorbeugen können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Erste Hilfe nach einem Sturz, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. Wen anrufen: 116117 oder 112?, 116117.de, Kassenärztliche Bundesvereinigung. Abgerufen am 16. Oktober 2026