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Selbstständig im Alter

Sturzprävention im Alter: Zahlen, Risikofaktoren und Maßnahmen

Stürze lassen sich im Alter nie ganz ausschließen, das Risiko lässt sich aber senken: Nach einem Cochrane-Überblick verringern Bewegungsprogramme die Sturzrate um 23 % 3. Dazu kommen eine sturzsichere Wohnung, regelmäßige Kontrollen von Sehen und Medikamenten sowie das Gespräch mit der Hausarztpraxis 4,5.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland sind 2022 mindestens einmal in zwölf Monaten gestürzt, ab 80 Jahren 33,5 % (Selbstangaben). 1
  • 9,9 % der Menschen ab 65 Jahren sind im selben Zeitraum mehrmals gestürzt. 1
  • Bewegungsprogramme senken die Sturzrate um 23 % (Rate Ratio 0,77; 59 Studien, hohe Evidenzsicherheit). 3
  • Kraft und Gleichgewicht sollten laut BIÖG mindestens zweimal, besser dreimal pro Woche trainiert werden. 6
  • Weltweit sterben nach Schätzung der WHO jährlich rund 684.000 Menschen an den Folgen von Stürzen. 2

Wie häufig sind Stürze im Alter?

Das Robert Koch-Institut (RKI) wertet für Menschen ab 65 Jahren regelmäßig Selbstangaben aus Befragungen aus. Danach waren 2022 in Deutschland 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal in den vorangegangenen zwölf Monaten gestürzt, 9,9 % sogar mehrmals 1. Etwa jede vierte Person in dieser Altersgruppe hat also innerhalb eines Jahres einen Sturz erlebt.

Stürze in den letzten zwölf Monaten, Menschen ab 65 JahrenBalkendiagramm nach RKI, Stand 2022: 19,2 Prozent bei 65 bis 79 Jahren, 33,5 Prozent ab 80 Jahren, 23,8 Prozent insgesamt mindestens ein Sturz und 9,9 Prozent mehrere Stürze.65 bis 79 Jahre19,2 %ab 80 Jahre33,5 %ab 65 Jahre gesamt23,8 %davon mehrmals gestürzt9,9 %
Anteil der Menschen mit mindestens einem Sturz in den letzten zwölf Monaten (letzte Zeile: mehrere Stürze). Eigene Darstellung nach RKI, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2022, Selbstangaben.

Mit dem Alter steigt das Risiko deutlich: Menschen ab 80 Jahren stürzten häufiger (33,5 %) als Menschen zwischen 65 und 79 Jahren (19,2 %). Zwischen 2019 und 2022 ist der Anteil laut RKI konstant geblieben 1. Das Institut weist auf mögliche Folgen hin: Stürze können zu langfristigen körperlichen Behinderungen, schwerer Abhängigkeit und Krankenhausaufenthalten führen, außerdem zu Sturzangst, die ihrerseits körperliche Aktivität und soziale Kontakte einschränken kann 1.

Auch in der Unfallstatistik für Erwachsene spielt der Sturz die Hauptrolle: Der Sturz war der häufigste Unfallmechanismus, 30,4 % der berichteten ärztlich behandelten Unfälle waren Stürze. Bei den ab 80-Jährigen ging etwa die Hälfte der letzten Unfälle auf einen Sturz zurück 8. Weltweit gelten Stürze nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als zweithäufigste Ursache tödlicher Unfälle; Erwachsene über 60 Jahre erleiden die meisten tödlichen Stürze 2.

Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen beruhen auf Selbstangaben der Befragten. Sie zeigen, wie verbreitet Stürze sind, sagen aber nichts über Ihr persönliches Risiko. Wie Sie dieses einschätzen, erklärt der Ratgeber Sturzrisiko erkennen.

Welche Risikofaktoren erhöhen die Sturzgefahr?

Stürze haben selten nur eine Ursache. Das RKI nennt als bekannte Risikofaktoren Alter, Multimorbidität (mehrere Erkrankungen zugleich), Polypharmazie (die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten) sowie Einschränkungen der Beweglichkeit und des Sehens 1. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA) ergänzt auf seinem Portal „Gesund & aktiv älter werden“ weitere Bereiche, die sich oft beeinflussen lassen 4:

  • Sehen: Viele ältere Menschen haben Sehprobleme, sodass etwa Treppenstufen nicht mehr richtig erkannt werden. Das BIÖG rät zu regelmäßigen Kontrollen bei der Augenärztin oder beim Augenarzt, denn viele Augenleiden lassen sich behandeln oder korrigieren, zum Beispiel mit einer neuen Brille 4.
  • Gehör und Gleichgewichtsorgan: Hörverluste und Störungen des Gleichgewichtsorgans nehmen mit dem Alter zu. Bei Schwindel empfiehlt das BIÖG, die Hausarztpraxis oder eine HNO-Praxis aufzusuchen 4.
  • Medikamente: Manche Mittel können Schwindel verursachen oder verstärken und das Gleichgewicht beeinträchtigen. Auswahl, Dosierung und Dauer sollten regelmäßig ärztlich überprüft werden 4.
  • Knochen: Osteoporose kann das Risiko zu stürzen deutlich erhöhen und hat großen Einfluss auf die Folgen eines Sturzes 4.
  • Füße und Schuhe: Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Hornhautbildung an den Füßen können das Gleichgewicht beeinträchtigen 4.
  • Angst vor einem Sturz: Aus der Sorge kann eine schwerwiegende Angst werden, die zu weniger Bewegung führt 4.

Je mehr dieser Punkte zusammenkommen, desto eher lohnt eine systematische Überprüfung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für ältere Menschen deshalb unter anderem Gleichgewichts- und Funktionstraining, Tai Chi, die Überprüfung und Anpassung der Wohnung sowie die Reduzierung oder das Absetzen von Psychopharmaka, wo dies ärztlich vertretbar ist 2. Über Änderungen an Medikamenten entscheidet nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Vorbeugen, schützen, Hilfe holen: drei Ebenen der Sicherheit

Wenn von „Sturzschutz“ die Rede ist, sind sehr verschiedene Dinge gemeint. Es hilft, drei Ebenen zu trennen, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten:

Drei Ebenen der SturzsicherheitDrei nummerierte Schritte: Erstens vorbeugen durch Training, Wohnung, Sehen und Medikamente. Zweitens beim Sturz schützen durch Schutzausrüstung. Drittens nach dem Sturz Hilfe holen, per Telefon und 112.1VorbeugenTraining, Wohnung,Sehen, Medikamente2Beim Sturz schützenSchutzausrüstungmindert den Aufprall3Hilfe holenTelefon, 112
Die drei Ebenen ergänzen sich, keine ersetzt die anderen. Eigene Darstellung.
  • Vorbeugen soll verhindern, dass es überhaupt zum Sturz kommt. Hier liegt die am besten belegte Wirkung: Bewegungsprogramme (siehe unten). Wohnungsanpassung sowie die Überprüfung von Sehen und Medikamenten nennen WHO und BIÖG als weitere Ansatzpunkte 2,4,5.
  • Schützen betrifft den Moment des Sturzes selbst. Schutzausrüstung kann die Wucht des Aufpralls mindern, die Ursachen des Sturzes ändert sie nicht. Mehr dazu im Abschnitt zu Hilfsmitteln und im Ratgeber Hüftprotektor.
  • Hilfe holen gilt für die Zeit nach dem Sturz. Besonders riskant ist laut DAK langes Liegen nach einem Sturz 9. Das BIÖG nennt dafür das Telefon und die 112 7. Wie Sie reagieren, steht im Ratgeber Sturz im Alter: was tun?.

Was Bewegung nach Studienlage zeigt

Die beste Evidenz gibt es für Bewegungsprogramme. Der Cochrane-Überblick von Sherrington und Kolleginnen (2019) wertete 108 randomisierte Studien mit 23.407 Teilnehmenden aus, im Mittel 76 Jahre alt und zu 77 % Frauen, die zu Hause lebten 3. Das Ergebnis: Bewegung senkt die Rate der Stürze um 23 % (Rate Ratio 0,77; 95-%-Konfidenzintervall 0,71 bis 0,83; 59 Studien, 12.981 Teilnehmende, hohe Evidenzsicherheit). Der Anteil der Menschen, die überhaupt stürzen, sinkt um 15 % 3. Das Ergebnis galt unabhängig davon, ob die Studien Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko auswählten oder nicht 3.

Wirkung von Bewegungsprogrammen auf die Sturzrate (Cochrane-Überblick 2019)
Art des TrainingsWirkung auf die SturzrateSicherheit der Evidenz
Alle Bewegungsarten zusammenminus 23 % (Rate Ratio 0,77)hoch
Balance- und Funktionsübungenminus 24 % (Rate Ratio 0,76)hoch
Mehrere Übungsarten kombiniert (meist Balance, Funktion und Kraft)wahrscheinlich minus 34 % (Rate Ratio 0,66)moderat
Tai Chimöglicherweise minus 19 % (Rate Ratio 0,81)niedrig
Überwiegend Krafttraining, Tanz- oder GehprogrammeWirkung unklarnicht belegt

Quelle: Sherrington et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Abstract. Prozentwerte wie dort angegeben.

Weniger Stürze durch Training: Größe des EffektsBalkendiagramm der Verringerung der Sturzrate nach Cochrane 2019: alle Bewegungsarten 23 Prozent, Balance und Funktion 24 Prozent, mehrere Übungsarten kombiniert 34 Prozent, Tai Chi 19 Prozent.Alle Bewegungsarten23 % (hoch)Balance und Funktion24 % (hoch)Mehrere Übungsarten34 % (moderat)Tai Chi19 % (niedrig)
Verringerung der Sturzrate im Vergleich zu Kontrollgruppen, mit Sicherheit der Evidenz in Klammern. Eigene Darstellung nach Sherrington et al., Cochrane 2019.

Zwei Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung. Erstens: Dass Bewegung auch sturzbedingte Knochenbrüche verringert, konnte der Überblick nur mit niedriger Sicherheit zeigen (Risikoverhältnis 0,73) 3. Zweitens: Für Programme, die überwiegend aus Krafttraining, Tanzen oder Gehen bestehen, ist die Wirkung auf die Sturzrate unsicher 3. Das heißt nicht, dass diese Aktivitäten nutzlos wären, sondern dass die Studien dafür keinen klaren Nachweis liefern. Ein gezieltes Gleichgewichtstraining ist deshalb die Grundlage; die Einzelheiten stehen im Ratgeber Gleichgewichtstraining für Senioren.

Wie oft und wie trainieren?

Das BIÖG empfiehlt Menschen über 65 Jahren, Kraft und Gleichgewicht mindestens zweimal, besser dreimal pro Woche zu trainieren, zum Beispiel mit Kniebeugen oder Wandliegestützen. Zusätzlich nennt es 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche 6. Anfangen können Sie im Alltag: Zähneputzen auf einem Bein, mehrmals hintereinander von einem Stuhl aufstehen (möglichst ohne sich abzustützen) oder auf Zehenspitzen und Fersen gehen 6. Wer unsicher ist, darf sich anfangs mit einem Arm an der Wand abstützen 6.

Sprechen Sie vor dem Start mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, besonders wenn Sie bisher nicht regelmäßig trainiert haben. Bei starken Schmerzen oder Unwohlsein während oder nach dem Training sollten Sie pausieren und ärztlichen Rat einholen 6.

Wie wird die Wohnung sturzsicher?

Das BIÖG empfiehlt, die Wohnung gezielt nach Stellen abzusuchen, an denen man ausrutschen, stolpern oder hinfallen könnte. Schon kleine Anpassungen können laut BIÖG eine große Wirkung haben 5. Aus den Hinweisen des Portals ergibt sich diese Prüfliste:

Prüfliste für eine sturzsichere Wohnung
BereichWas das BIÖG empfiehlt
LichtGute Beleuchtung, besonders im Treppenhaus (zum Beispiel Lampen mit Bewegungsmelder); nachts eine Lampe anlassen oder ein Licht direkt ans Bett stellen.
BödenDen Boden frei von losen Teppichen und rutschigen Flächen halten; Anti-Rutschmatten oder -streifen unter Teppichen, in der Küche, auf Treppen und im Bad.
TreppenTreppen und Stufen stets frei begehbar halten; Handläufe an beiden Seiten.
BadAnti-Rutschmatten in Badewanne und Dusche, Haltegriffe an den Seiten.
HaustiereKatzen und Hunde können zwischen die Beine geraten: wissen, wo das Tier ist; zum Beispiel ein Glöckchen am Halsband.
Garten und ZugangUnebene Wege und rutschige Oberflächen beachten, Wege freihalten; Handläufe und Pfosten am Weg zum Hauseingang.
LeiternImmer eine geprüfte Trittleiter benutzen und sich nie auf einen Stuhl stellen.

Quelle: BIÖG, „Wie Ihr zu Hause sturzsicher wird“. Zusammenfassung in eigenen Worten.

Hilfe bei der Anpassung gibt es laut BIÖG an mehreren Stellen: Nach einem Sturz mit Verletzung können Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten beraten, viele Städte und Gemeinden haben eine Wohnberatungsstelle, und das Sanitätshaus sowie spezialisierte Handwerksbetriebe können weiterhelfen 5.

Medikamente, Sehen, Füße und Knochen: der Check bei der Hausarztpraxis

Vieles, was das Sturzrisiko erhöht, lässt sich nur ärztlich klären. Das BIÖG rät, die Hausarztpraxis über Stürze zu informieren oder darüber, dass man sich unsicher zu fühlen beginnt. Gemeinsam könne man mögliche Ursachen feststellen und Maßnahmen ergreifen 4. Folgende Punkte können Sie vorbereiten:

  • Medikamentenplan mitbringen. Wenn Sie sich nach der Einnahme von Medikamenten, vor allem beim Aufstehen, unsicher fühlen, sollten Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke darauf ansprechen 4. Setzen Sie nie eigenmächtig Medikamente ab.
  • Kreislauf beim Aufstehen. Das BIÖG empfiehlt, vor dem Aufstehen Arme, Hände und Beine einige Male anzuspannen, sich Zeit zu lassen und die Bewegung langsam auszuführen 4.
  • Sehen und Hören prüfen lassen. Neue Brille, Behandlung von Augenleiden, Abklärung von Schwindel und Hörverlust 4.
  • Schuhe. Bequeme, gut sitzende, geschlossene Schuhe mit festem Halt, niedrigem Absatz und rutschfester Sohle; in der Wohnung gegebenenfalls Socken mit Gumminoppen 4.
  • Knochengesundheit. Das BIÖG nennt regelmäßige Bewegung und Krafttraining über mehr als ein halbes Jahr sowie eine calciumreiche Ernährung. Ob Vitamin D oder Calcium zusätzlich als Tabletten nötig sind, sollten Sie mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen 4. Die WHO nennt Vitamin-D-Präparate in ihrer Liste nur für Menschen mit Vitamin-D-Mangel 2. Dosierungen sind hier nicht angegeben, sie legt die Ärztin oder der Arzt fest.

Und wenn die Angst vor dem nächsten Sturz bremst?

Sturzangst ist verbreitet und nachvollziehbar, kann aber selbst zum Risiko werden: Wer sich weniger bewegt, wird unsicherer, verliert Selbstvertrauen und schränkt Spaziergänge und Kontakte ein; manchmal kommt die Sorge hinzu, die eigene Unabhängigkeit zu verlieren 4. Das BIÖG rät, bei Ängsten die Hausarztpraxis anzusprechen. Physiotherapeutische oder psychologische Behandlungen könnten helfen, und ein gezieltes Training für mehr Gleichgewicht und Kraft kann die körperliche Stabilität erhalten oder wiederherstellen 4. Wer die Angst ernst nimmt und früh anspricht, bleibt eher mobil.

Hilfsmittel: Was sie leisten und was nicht

Mit dem Alter kommen oft Hilfsmittel dazu. Das BIÖG empfiehlt, die Hausärztin oder den Hausarzt auf Hilfsmittel wie Rollator oder Stock anzusprechen und zu erwähnen, wenn man sich beim Aufstehen immer mit den Armen abstützen muss 5. Zur technischen Sicherheit gehören außerdem:

  • Hüftprotektoren: Die DAK führt sie als Hilfsmittel zum Schutz bei Stürzen auf 9; sie sollen die Hüfte bei einem Sturz schützen; den Sturz selbst verhindern sie nicht. Eine Einordnung liefert der Ratgeber Hüftprotektor.
  • Gehhilfen und weitere Hilfsmittel: Die DAK nennt Gehstöcke, Gehwagen und Rollatoren, Toilettensitzerhöhungen, orthopädische Schuhe oder Einlagen sowie Hörgeräte und Sehhilfen; über passende Hilfsmittel sollten Sie mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen 9.

Was Angehörige tun können

Wenn Ihnen auffällt, dass sich eine nahestehende Person unsicher bewegt oder öfter stürzt, empfiehlt das BIÖG, die Sorgen offen anzusprechen. Als Unterstützung nennt das Portal 10:

  • bei der Suche nach Bewegungskursen für Gleichgewicht und Kraft helfen, gemeinsam spazieren gehen oder ein kleines Übungsprogramm durchführen;
  • die Wohnung sicherer machen, etwa Stolperfallen entfernen,;
  • Tätigkeiten mit erhöhtem Sturzrisiko übernehmen, zum Beispiel Gardinen aufhängen;
  • erreichbar sein, zum Beispiel über Kurzwahl am Telefon, und Nachbarinnen und Nachbarn um Unterstützung bitten;
  • gemeinsam durchgehen, was nach einem Sturz zu tun ist, und das Aufstehen vom Boden üben.

Bei einer Demenzerkrankung lassen Sie sich laut BIÖG von der behandelnden Ärztin oder dem Arzt zu unterstützenden Maßnahmen beraten 10.

Wann zum Arzt

Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt,

  • nach jedem Sturz, auch wenn keine Verletzung sichtbar ist: Die DAK rät, die Ursache ärztlich abklären zu lassen, denn dahinter können Kreislaufprobleme, Medikamentennebenwirkungen oder Infektionen stecken 9;
  • wenn Sie sich beim Gehen oder Stehen unsicher fühlen oder wenn Schwindel Ihren Alltag beeinträchtigt: Das BIÖG empfiehlt, Stürze und beginnende Unsicherheit der Hausarztpraxis zu melden 4;
  • wenn Sie nach der Einnahme von Medikamenten, besonders beim Aufstehen, unsicher werden: Lassen Sie Auswahl und Dosierung überprüfen, ohne sie selbst zu ändern 4;
  • bei Sehproblemen, Schmerzen oder Taubheitsgefühlen in den Füßen und bei Angst vor dem Sturz 4;
  • bevor Sie mit einem neuen Trainingsprogramm beginnen, wenn Sie bisher nicht regelmäßig trainiert haben 6.

Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie in Deutschland die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Rechner zum Thema

  • Sturzrisiko einschätzen Fragebogen zur Orientierung, direkt im Browser und ohne Datenübertragung; er ersetzt keine Untersuchung.

Häufige Fragen

Wie häufig stürzen ältere Menschen?

Nach dem RKI waren 2022 in Deutschland 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal in zwölf Monaten gestürzt, ab 80 Jahren 33,5 %. 9,9 % stürzten mehrmals. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften 1.

Was zeigt die Studienlage zu Krafttraining und Stürzen?

Das lässt sich nach dem Cochrane-Überblick nicht sicher sagen: Für Programme, die überwiegend aus Krafttraining bestehen, ist die Wirkung auf die Sturzrate unsicher. Belegt ist die Wirkung von Balance- und Funktionsübungen (minus 24 %) und von Programmen mit mehreren Übungsarten (wahrscheinlich minus 34 %) 3.

Ist Tai Chi besser als Balancetraining?

Nein, nach der Studienlage nicht. Tai Chi senkt die Sturzrate möglicherweise um 19 % (niedrige Sicherheit), Balance- und Funktionsübungen um 24 % (hohe Sicherheit) 3. Für den Alltag zählt, was Sie regelmäßig durchhalten.

Wie oft sollte ich trainieren?

Das BIÖG empfiehlt Menschen über 65 Jahren, Kraft und Gleichgewicht mindestens zweimal, besser dreimal pro Woche zu trainieren und langsam zu steigern 6. Besprechen Sie das mit der Hausarztpraxis, besonders wenn Sie bisher nicht trainiert haben.

Kann ich auch im hohen Alter noch anfangen?

Die Teilnehmenden der Cochrane-Studien waren im Mittel 76 Jahre alt, und die Wirkung unterschied sich nicht danach, ob sie ein erhöhtes Sturzrisiko hatten 3. Beginnen Sie behutsam, steigern Sie Dauer und Intensität langsam und lassen Sie sich bei Vorerkrankungen ärztlich beraten 6.

Muss ich nach einem Sturz ohne Verletzung zum Arzt?

Die DAK rät dazu, nach einem Sturz auch ohne sichtbare Verletzung ärztlich abklären zu lassen, warum es dazu kam 9. Bei Kopfverletzungen und akuten Beschwerden wählen Sie die 112.

Verhindert eine Airbag-Weste Stürze?

Nein. Eine Airbag-Weste wie Elder kann bei einem erkannten Sturz die Aufprallkraft mindern, den Sturz selbst verhindert sie nicht. Sie ruft auch keinen Notruf und ersetzt keinen Hausnotruf; im Notfall gilt die 112.

Bezahlt die Kasse Sturzschutz?

Das hängt von der Art des Hilfsmittels und von der ärztlichen Verordnung ab. Die DAK schreibt für sich, dass sie Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe auf ärztliche Verordnung bezahlt 9; andere Kassen regeln das jeweils selbst. Zur Kostenübernahme für Produkte von Chutex enthält diese Seite keine Aussage.

Quellen

  1. Stürze (ab 65 Jahre), GBE-Indikator, Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Stand 20.11.2024. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Selbstangaben, GEDA 2019/2020 und GEDA 2022.
  2. Falls (Fact Sheet), Weltgesundheitsorganisation (WHO). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Exercise for preventing falls in older people living in the community (Sherrington et al.), Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Abstract gelesen über die NCBI-Schnittstelle.
  4. Wie Sie Sturzrisiken vorbeugen können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  5. Wie Ihr zu Hause sturzsicher wird, BIÖG, Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. Wie Sie Balance und Kraft trainieren können, BIÖG, Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. Erste Hilfe nach einem Sturz, BIÖG, Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Unfälle bei Erwachsenen: jede zehnte Person innerhalb eines Jahres betroffen (Pressemitteilung vom 20.05.2026), Robert Koch-Institut. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. Sturzprophylaxe im Alter, DAK-Gesundheit, aktualisiert am 01.10.2026. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  10. Was Sie als Angehörige tun können, BIÖG, Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026