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Selbstständig im Alter

Sturzmatte für Senioren: Was sie leisten kann und was nicht belegt ist

Eine Sturzmatte neben dem Bett soll die Folgen eines Sturzes mindern; den Sturz selbst verhindert sie nicht. Zu losen Matten ist uns keine Studie bekannt. Ein nachgiebiger Boden hatte in einer randomisierten Studie in der Langzeitpflege keinen nachweisbaren Einfluss auf schwere sturzbedingte Verletzungen 6; die Evidenz zu solchen Böden gilt als unsicher und sehr niedrig 7.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 12,5 % gegen 13,3 %: Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner mit mindestens einer schweren sturzbedingten Verletzung, mit und ohne nachgiebigen Boden, in einer randomisierten Studie in der Langzeitpflege (Odds Ratio 0,98; 95-%-Konfidenzintervall 0,52 bis 1,84). 6
  • Sehr niedrige Qualität: So bewertet eine Übersichtsarbeit die Evidenz zu stoßdämpfenden Böden. 7
  • 2 Studien mit 22.106 Teilnehmenden: Mehr erfüllte die Cochrane-Übersicht zu Verletzungen durch Betten nicht; die Wirksamkeit solcher Maßnahmen bleibt unsicher. 1
  • 23 % weniger Stürze: Ergebnis einer Cochrane-Übersicht zu Bewegungsprogrammen bei zu Hause lebenden älteren Menschen, also einer Maßnahme gegen die Ursachen. 10

Sturzmatte oder Sensormatte: Was der Begriff meint

Unter „Sturzmatte“ suchen Menschen zwei Dinge, die verschieden arbeiten. Die eine soll den Aufprall bei einem Sturz abfedern. Die andere meldet, dass jemand das Bett verlässt oder gefallen ist. Die Verbraucherzentrale beschreibt Sensortrittmatten vor dem Bett: Sie lösen über Funk einen Alarm aus, wenn ein Mensch darauf tritt oder fällt; der Alarm kann an einen separaten Empfänger weitergeleitet werden, und solche Matten können auch Orientierungslichter anschalten 3. Die Geräte funktionieren über einen Stromanschluss oder über Batterie 3. Die Broschüre von Aktion DAS SICHERE HAUS und GDV nennt Sensormatten unter den digitalen Assistenzsystemen, die bei auffälliger Schrittfolge oder Sturz alarmieren 4.

Zwei Arten von Matten: Funktion und Studienlage
ArtFunktionWas Studien zur Wirkung zeigen
Dämpfende Matte vor dem BettSoll den Aufprall bei einem Sturz abfedern.Zu losen Matten ist uns keine Studie bekannt. Zu nachgiebigen Böden: eine randomisierte Studie ohne nachweisbaren Einfluss auf schwere Verletzungen 6; eine Übersicht nennt die Evidenz unsicher und sehr niedrig, mit möglicherweise weniger Verletzungen 7.
SensortrittmatteMeldet per Funk, wenn jemand darauf tritt oder fällt 3.Zu Trittmatten selbst ist uns keine Studie bekannt. Zu Bettausstiegsalarmen allgemein: eine Studie mit 70 Teilnehmenden ohne signifikanten Unterschied 1; eine Übersicht mit 22 Studien sieht weniger Stürze zwischen Gruppen, nicht innerhalb der Gruppen 2. Die Bauart der Alarme geben die Zusammenfassungen nicht an; ob es sich um Trittmatten handelte, ist offen.
Faltbare Matte, Matte mit Rand und weitere BauformenUnterscheiden sich in Aufbau und Handhabung.Dazu ist uns nichts bekannt.

Zusammenstellung aus den genannten Quellen. Eine dämpfende Matte alarmiert nicht, eine Sensormatte dämpft nicht.

Wo eine Maßnahme ansetzt: vor, während und nach dem SturzDrei Zeitpunkte: Vor dem Sturz setzen Bewegung, Wohnung und Licht an den Ursachen an. Beim Sturz soll eine dämpfende Matte den Aufprall mindern. Nach dem Sturz melden Alarme oder ein Anruf der 112, dass Hilfe nötig ist.1Vor dem SturzBewegung, Wohnung,Licht: Ursachen2Beim Sturzdämpfende Matte:Folgen mindern3Nach dem SturzSensormatte meldet,Anruf 112
Eigene Darstellung nach 1,2,3,10,11. Sie ordnet Maßnahmen nach ihrem Ansatzpunkt und sagt nichts über ihre Wirksamkeit.

Die Studien, die es gibt, betreffen also nicht die Matte, die viele meinen, wenn sie „Sturzmatte“ eingeben. Das sollten Sie wissen, wenn Ihnen jemand Schutz „wissenschaftlich belegt“ verspricht.

Was ist zur Wirkung belegt?

Die Studienlage lässt sich in drei Teile gliedern. Erstens die Böden: Die FLIP-Studie, eine randomisierte Studie in der Langzeitpflege an einem einzigen Standort, prüfte einen nachgiebigen Boden. Mindestens eine schwere sturzbedingte Verletzung hatten 12,5 % der Bewohnerinnen und Bewohner in Zimmern mit nachgiebigem und 13,3 % in Zimmern mit festem Boden; der Boden beeinflusste die Wahrscheinlichkeit dafür nicht (Odds Ratio 0,98; 95-%-Konfidenzintervall 0,52 bis 1,84), und die Autoren schließen, er sei in der Langzeitpflege nicht wirksam gewesen 6. Unsere Einordnung: Das Intervall ist breit; „keinen Einfluss nachgewiesen“ ist nicht dasselbe wie „nachweislich keinen Einfluss“. Eine Übersichtsarbeit zu stoßdämpfenden Böden nennt die Evidenz zugunsten solcher Böden unsicher und von sehr niedriger Qualität; zugleich deutete sehr niedrige Evidenz aus Krankenhäusern (Risikoverhältnis 0,64) und Pflegeheimen (0,80) darauf hin, dass solche Böden Verletzungen verringern könnten, ohne die Zahl der Stürze zu erhöhen. Das Personal fand es zudem schwerer, Geräte auf Rädern auf solchen Böden zu bewegen 7. Ob das auch für Rollatoren gilt, steht in der Zusammenfassung nicht.

Zweitens die Betten: Die Cochrane-Übersicht von 2012 suchte nach randomisierten Studien zu Maßnahmen gegen Verletzungen durch Betten. Zwei Studien erfüllten die Kriterien, zusammen 22.106 Teilnehmende: eine zu Niedrigbetten, eine zu Bettausstiegsalarmen, beide in Krankenhäusern. Beide fanden keinen signifikanten Unterschied bei Verletzungen; die Autoren nennen die Wirksamkeit solcher Maßnahmen unsicher und verweisen auf fehlende Verblindung und zu geringe Fallzahl 1. Eine Studie zu Matten war nicht dabei (Recherche bis Dezember 2010).

Drittens die Alarme: Eine Meta-Analyse von 2023 mit 22 Studien zu technikgestützten Sturzpräventionsstrategien fand, dass Bett- und Stuhlausstiegsalarme die Stürze zwischen den Gruppen signifikant senkten, nicht aber innerhalb der Gruppen. Ihr Schluss: Nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein umfassender Sturzpräventionsplan sei nötig 2. Für Stürze mit schweren Verletzungen einschließlich Brüchen fand dieselbe Arbeit insgesamt einen signifikanten Rückgang durch die technikgestützten Maßnahmen, für Stürze mit leichten Verletzungen nicht; sie betrifft mehrere Maßnahmen (mehrstufige Programme, Kameras, Bewegungssensoren, Ausstiegsalarme), nicht Matten 2.

Wie die Bodenstudien in die Gesamtübersicht der Maßnahmen passen, steht im Ratgeber Sturzschutz im Alter.

Kann eine Matte selbst zur Stolperfalle werden?

Aktion DAS SICHERE HAUS und GDV nennen hochstehende Ecken und Kanten von Matten, Teppichen und Läufern typische Stolperfallen und empfehlen Antirutschmatten oder beidseitig haftende Klebebänder darunter 4. Das BIÖG rät, den Boden frei von losen Teppichen und rutschigen Flächen zu halten 8. Beide Quellen meinen Teppiche und Läufer allgemein; zu Sturzmatten äußern sie sich nicht ausdrücklich. Unsere Einordnung: Die Hinweise lassen sich auf eine Matte neben dem Bett übertragen: Kanten dürfen nicht hochstehen, und die Unterlage soll rutschfest sein.

Unsere Einordnung: Das gilt besonders nachts, denn nach der Broschüre passieren Unfälle im Schlafzimmer häufig, wenn man in der Nacht oder am Morgen das Bett verlässt 4.

Was Fachstellen rund ums Bett nennen

Ursachen eines nächtlichen Sturzes lassen sich zum Teil mit einfachen Mitteln beeinflussen. Die Fachstellen nennen:

  • Licht: eine Lampe anlassen oder ein Licht direkt ans Bett stellen 8; Lampen mit Tastschaltern auf dem Nachttisch für den nächtlichen Gang zur Toilette 4; Leuchten mit Bewegungsmelder, die das Licht anschalten, sobald man einen Bereich betritt 4.
  • Aufstehen: bei Schwindelneigung vor dem Aufstehen kurz am Bettrand sitzen bleiben, bis der Kreislauf stabil ist 4; vor dem Aufstehen ein paar Übungen für den Kreislauf 9.
  • Schuhe: Hausschuhe mit rutschfester Sohle und flachem Absatz 4.
  • Boden: frei von losen Teppichen und rutschigen Flächen 8; Antirutschmatten oder beidseitig haftende Klebebänder unter Teppichen 4.
  • Medikamente: Manche Medikamente können Schwindel verursachen oder verstärken und so das Gleichgewicht beeinträchtigen; sprechen Sie Medikamente, Schwindel und Stürze bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt an 9.

Zur Einordnung von Maßnahmen, die an den Ursachen eines Sturzes ansetzen: Eine Cochrane-Übersicht kommt bei Bewegungsprogrammen auf eine um 23 % geringere Sturzrate 10, eine weitere bei Anpassungen der Wohnumgebung auf 26 % weniger Stürze insgesamt und auf 38 % bei Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko; ohne Auswahl nach Sturzrisiko fand sich kein Hinweis auf weniger Stürze 11. Mehr dazu in den Ratgebern Allein wohnen im Alter und Sturzprävention im Alter; ob Ihr Risiko erhöht ist, klärt der Ratgeber Sturzrisiko erkennen.

Und wenn der Sturz nicht am Bett passiert?

Eine Matte neben dem Bett wirkt, wenn überhaupt, dort. Stürze im Alter passieren aber auch beim Gehen, im Bad, auf der Treppe oder draußen. Für den Schutz im Stehen kommen andere Ansätze in Betracht, die der Ratgeber Sturzschutz im Alter nach Ansatzpunkt und Studienlage ordnet; zu Hüftschutz im Besonderen steht Näheres im Ratgeber Hüftprotektor. Keiner dieser Ansätze ersetzt die anderen.

Wann zum Arzt?

Diese Seite ersetzt keine Untersuchung. Suchen Sie ärztlichen Rat,

  • nach jedem Sturz, auch ohne sichtbare Verletzung: Die DAK rät, abklären zu lassen, warum es dazu kam 12; besonders riskant ist langes Liegen nach einem Sturz 12;
  • wenn Sie stürzen oder sich unsicher fühlen, und bei Schwindel, der mit Medikamenten zusammenhängen könnte: Informieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt 9;
  • bei einer Kopfverletzung nach dem Sturz: Laut IQWiG im Zweifel nicht abwarten, sondern die 112 wählen 13; bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung wählen Sie den Notruf 14. Bei Lebensgefahr gilt in Deutschland die 112; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 15.

Häufige Fragen

Verhindert eine Sturzmatte Stürze?

Nein, eine dämpfende Matte setzt bei den Folgen an, nicht bei den Ursachen. An den Ursachen setzen Bewegungsprogramme an (um 23 % geringere Sturzrate in einer Cochrane-Übersicht 10) und Anpassungen der Wohnumgebung (26 % weniger Stürze, 38 % bei erhöhtem Risiko; ohne Auswahl nach Sturzrisiko kein Hinweis auf weniger Stürze 11).

Gibt es Studien zur Wirkung von Sturzmatten?

Zu losen Matten neben dem Bett ist uns keine bekannt. Studien gibt es zu nachgiebigen Böden: Eine randomisierte Studie in der Langzeitpflege fand keinen nachweisbaren Einfluss auf schwere sturzbedingte Verletzungen (Odds Ratio 0,98; 95-%-Konfidenzintervall 0,52 bis 1,84) 6; eine Übersicht bewertet die Evidenz als unsicher und sehr niedrig, mit Hinweisen auf möglicherweise weniger Verletzungen 7.

Was ist der Unterschied zwischen Sturzmatte und Sensormatte?

Eine Sturzmatte soll den Aufprall dämpfen, eine Sensortrittmatte meldet per Funk, wenn jemand darauf tritt oder fällt 3. Die beiden Funktionen sind verschieden; eine Sensormatte dämpft nicht.

Kann man über eine Sturzmatte stolpern?

Hochstehende Kanten von Matten, Teppichen und Läufern sind typische Stolperfallen 4. Zu Sturzmatten äußern sich die Quellen nicht ausdrücklich; unsere Einordnung: Die Hinweise lassen sich auf sie übertragen: flach und rutschfest legen, Wege frei halten.

Was zeigen Studien zu Bettausstiegsalarmen?

Die Studienlage ist uneinheitlich (die Bauart der Alarme geben die Zusammenfassungen nicht an, ob es Trittmatten waren, ist offen): Eine Studie mit 70 Teilnehmenden auf einer geriatrischen Station fand keinen signifikanten Unterschied 1; eine Meta-Analyse sah weniger Stürze zwischen Gruppen, nicht innerhalb der Gruppen, und betont einen umfassenden Plan statt einer Einzelmaßnahme 2.

Was nennen Fachstellen für das nächtliche Aufstehen?

Fachstellen nennen Licht am Bett, Leuchten mit Bewegungsmelder, kurzes Sitzen am Bettrand bei Schwindelneigung, rutschfeste Hausschuhe und einen Boden ohne lose Teppiche 4,8.

Schützt eine Sturzmatte beim Gehen?

Eine Matte neben dem Bett liegt nur dort; für Stürze im Stehen und Gehen kommen andere Ansätze in Betracht. Der Ratgeber Sturzschutz im Alter ordnet die Möglichkeiten nach Studienlage. Elder verhindert keine Stürze, sondern mindert nach Herstellerangabe die Aufprallkraft eines erkannten Sturzes; Studienergebnisse zu Elder liegen nicht vor.

Quellen

  1. Interventions designed to prevent healthcare bed-related injuries in patients, Anderson O, Boshier PR, Hanna GB, Cochrane Database of Systematic Reviews 2012. Abgerufen am 19. Oktober 2026. Recherche bis Dezember 2010; zwei Studien in Krankenhäusern.
  2. Novel interventions significantly reduce falls with fractures: A meta-analysis and systematic review, Tay JL, Xie HT, Geriatric Nursing 2023; 52. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  3. Digitale Helfer für mehr häusliche Sicherheit für Senioren, Verbraucherzentrale. Abgerufen am 19. Oktober 2026. Stand 23.04.2024.
  4. Zuhause sicher leben: Gefahren erkennen, Unfälle vermeiden, Aktion DAS SICHERE HAUS und Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Broschüre in der Ausgabe der Barmer. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  5. Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2022 (Auszug), Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Abgerufen am 19. Oktober 2026. Nur der frei verfügbare Auszug; die vollständige Veröffentlichung ist kostenpflichtig.
  6. The Flooring for Injury Prevention (FLIP) Study of compliant flooring for the prevention of fall-related injuries in long-term care: A randomized trial, Mackey et al., PLoS Medicine 2019, PubMed. Abgerufen am 19. Oktober 2026. Studie zu einem bestimmten Bodensystem, nicht zu losen Matten.
  7. The SAFEST review: a mixed methods systematic review of shock-absorbing flooring for fall-related injury prevention, Drahota et al., BMC Geriatrics 2022, PubMed. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  8. Wie Ihr zu Hause sturzsicher wird, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  9. Wie Sie Sturzrisiken vorbeugen können, BIÖG, Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  10. Exercise for preventing falls in older people living in the community, Sherrington C et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2019. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  11. Environmental interventions for preventing falls in older people living in the community, Clemson L et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2023. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  12. Sturzprophylaxe im Alter, DAK-Gesundheit. Abgerufen am 19. Oktober 2026. Stand 01.10.2026.
  13. Erste Hilfe bei einer Kopfverletzung, Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Abgerufen am 19. Oktober 2026
  14. Wirbelbruch (Wirbelkörperfraktur), Techniker Krankenkasse (TK). Abgerufen am 19. Oktober 2026
  15. Wen anrufen: 116117 oder 112?, Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117.de. Abgerufen am 19. Oktober 2026

Diese Informationen ersetzen nicht den Rat einer medizinischen Fachperson. Chutex-Produkte sind keine Medizinprodukte; Elder ist eine persönliche Schutzausrüstung.

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