Das Wichtigste in Zahlen
- Drei Screening-Fragen der CDC (STEADI): Ein Ja auf eine der Fragen bedeutet ein mögliches Sturzrisiko. 1
- Timed Up and Go: Wer 12 Sekunden oder länger braucht, gilt laut CDC als sturzgefährdet. 2
- Tandemstand: Kann ein älterer Mensch ihn nicht mindestens 10 Sekunden halten, ist das Sturzrisiko laut CDC erhöht. 4
- 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland sind 2022 mindestens einmal gestürzt (Selbstangaben). 5
Drei Fragen, die Sie sich selbst stellen können
Das US-Programm STEADI der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) richtet sich an medizinisches Fachpersonal, seine Screening-Fragen lassen sich aber auch selbst beantworten. Die CDC nennt drei Schlüsselfragen und wertet ein Ja auf eine einzige davon als mögliches Sturzrisiko 1:
- Fühlen Sie sich beim Stehen oder Gehen unsicher?
- Haben Sie Sorge zu stürzen?
- Sind Sie im vergangenen Jahr gestürzt?
Bei einem Ja fragt das Fachpersonal nach: wie oft und ob es zu Verletzungen kam 1. Dieselbe Übersicht kennt auch den Fragebogen „Stay Independent“ mit 12 Fragen; ein Risiko besteht dort ab 4 Punkten 1. Die CDC sieht für zu Hause lebende Menschen ab 65 Jahren ein Screening einmal jährlich vor, außerdem immer nach einem akuten Sturz 1. Wenn Sie sich einen ersten Überblick verschaffen möchten, nutzen Sie den Fragebogen zum Sturzrisiko; er arbeitet im Browser und ersetzt keine Untersuchung.
Auch Beinahe-Stürze zählen: Sie gelten zwar nicht als Stürze, können aber Hinweise auf bestehende Risikofaktoren geben 9. Wer also oft ins Straucheln gerät oder sich gerade noch abfangen konnte, sollte das ernst nehmen.
Welche Faktoren stecken hinter einem erhöhten Risiko?
Das Robert Koch-Institut (RKI) nennt als bekannte Risikofaktoren für Stürze Alter, Multimorbidität, Polypharmazie (die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten) sowie Einschränkungen der Beweglichkeit und des Sehens 5. Zur Einordnung: 2022 waren in Deutschland 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal innerhalb von zwölf Monaten gestürzt, ab 80 Jahren 33,5 % 5.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA) führt auf seinem Portal weitere Ursachen auf, die oft behandelbar sind: Sehprobleme, Hörverlust und Schwindel, Medikamente, die Schwindel verursachen oder verstärken können, Osteoporose, Fußprobleme sowie die Angst vor einem Sturz 6. Das BIÖG rät, die Hausarztpraxis über Stürze zu informieren oder darüber, dass man sich unsicher zu fühlen beginnt; gemeinsam lassen sich mögliche Ursachen feststellen 6. Ein Überblick über Gegenmaßnahmen steht im Ratgeber Sturzprävention im Alter.
Welche einfachen Tests gibt es?
Fachleute kombinieren Fragen mit kurzen Funktionstests. Die CDC beschreibt drei, die ohne Gerät auskommen und wenige Minuten dauern. Sie sind als Hilfe für Praxen und Therapie gedacht; die Angaben unten geben die veröffentlichten Protokolle der CDC wieder 2,3,4.
| Test | Was geprüft wird | Ausstattung | Auffällig, wenn |
|---|---|---|---|
| Timed Up and Go (TUG) | Beweglichkeit beim Aufstehen, Gehen, Wenden und Hinsetzen | Stoppuhr, Stuhl mit Armlehnen, 3 Meter Strecke | 12 Sekunden oder länger 2 |
| 30-Sekunden-Aufstehtest | Kraft und Ausdauer der Beine | Stuhl ohne Armlehnen (Sitzhöhe 17 Zoll, etwa 43 cm), Stoppuhr | Anzahl unter dem Wert für Alter und Geschlecht (Tabelle unten) 3 |
| 4-Stufen-Gleichgewichtstest | Stehen in vier immer schwierigeren Positionen | Stoppuhr | Tandemstand kürzer als 10 Sekunden 4 |
Quellen: CDC STEADI, Assessment-Blätter 2017. Umrechnung 17 Zoll in Zentimeter von uns.
Das Fachpersonal bleibt bei allen drei Tests neben der Person, aus Sicherheitsgründen 2,4. Probieren Sie sie deshalb nie allein aus, sondern nur mit einer zweiten Person, die Sie sichert, und am besten in der Praxis.
Timed Up and Go: Ablauf und Grenzwert
Der Timed Up and Go (TUG) misst die Zeit, die jemand braucht, um aus einem Stuhl aufzustehen, drei Meter zu gehen, sich zu wenden, zurückzugehen und sich wieder zu setzen. Die zeitgemessene Fassung stellten Podsiadlo und Richardson 1991 vor; sie untersuchten sie bei 60 Patientinnen und Patienten einer geriatrischen Tagesklinik (Durchschnittsalter 79,5 Jahre) und beschrieben sie als zuverlässig 7.
Nach dem CDC-Protokoll tragen die Teilnehmenden ihr gewohntes Schuhwerk und dürfen ihre Gehhilfe benutzen. Die Zeit läuft ab dem Kommando bis zum Hinsetzen. Braucht ein älterer Mensch 12 Sekunden oder länger, ist er laut CDC sturzgefährdet 2.
Wie belastbar ist der Grenzwert?
Der Wert von 12 Sekunden stammt aus einem Protokoll für medizinisches Fachpersonal und ist eine Orientierung, kein Urteil. Eine häufig zitierte Studie von Shumway-Cook und Kollegen (2000) fand für den TUG eine Sensitivität und Spezifität von jeweils 87 % bei der Unterscheidung von Menschen mit und ohne Sturzneigung; allerdings untersuchte sie nur 30 Personen, 15 ohne Sturz und 15 mit mindestens zwei Stürzen in den letzten sechs Monaten 8. Das heißt: Auch ein „guter“ oder „schlechter“ Wert ist nur eine Momentaufnahme. Ob das Ergebnis für Sie bedeutsam ist, beurteilt die Ärztin oder der Arzt.
30-Sekunden-Aufstehtest: Werte nach Alter und Geschlecht
Beim Aufstehtest sitzt die Person in der Mitte eines Stuhls ohne Armlehnen, kreuzt die Hände an den Schultern, hält die Füße flach auf dem Boden und steht auf Kommando 30 Sekunden lang so oft wie möglich vollständig auf und setzt sich wieder 3. Gezählt werden die vollständigen Aufstehvorgänge; wer mehr als halb oben ist, wenn die 30 Sekunden enden, zählt den Vorgang mit. Muss die Person die Arme zu Hilfe nehmen, wird der Test abgebrochen und mit null gewertet 3. Die CDC nennt Werte, die unter dem Durchschnitt liegen und auf ein Sturzrisiko hindeuten 3:
| Alter | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| 60 bis 64 Jahre | unter 14 | unter 12 |
| 65 bis 69 Jahre | unter 12 | unter 11 |
| 70 bis 74 Jahre | unter 12 | unter 10 |
| 75 bis 79 Jahre | unter 11 | unter 10 |
| 80 bis 84 Jahre | unter 10 | unter 9 |
| 85 bis 89 Jahre | unter 8 | unter 8 |
| 90 bis 94 Jahre | unter 7 | unter 4 |
Quelle: CDC STEADI, Assessment „30-Second Chair Stand“, 2017. Werte unverändert übernommen.
4-Stufen-Gleichgewichtstest: vier Positionen à 10 Sekunden
Der Test prüft das Stehen in vier Positionen, die immer schwieriger werden. In jeder Position soll die Person 10 Sekunden verharren; die Arme dürfen helfen, die Füße dürfen sich nicht bewegen 4:
- Füße nebeneinander.
- Halbe Tandemstellung: Der Fuß wird so aufgesetzt, dass sein Spann die große Zehe des anderen Fußes berührt.
- Tandemstand: ein Fuß direkt vor dem anderen, Ferse an Zehen.
- Einbeinstand.
Kann ein älterer Mensch den Tandemstand nicht mindestens 10 Sekunden halten, ist das Sturzrisiko laut CDC erhöht. In diesem Fall kommen laut Protokoll Physiotherapie mit Gang- und Gleichgewichtsübungen oder ein bewährtes Sturzpräventionsprogramm in Betracht 4. Die Person wird beim Einnehmen der Position am Arm gehalten und erst losgelassen, wenn sie sicher steht 4.
Was kein Test leisten kann
Tests liefern Anhaltspunkte, mehr nicht. Ein einzelner Test reicht nicht aus, um das persönliche Sturzrisiko vollständig zu beurteilen; auch Erkrankungen, Medikamente und das Wohnumfeld spielen eine Rolle 9. In der Praxis werden Vorgeschichte, Beobachtung und Tests zusammengeführt, und je nach Situation kommen weitere Verfahren zum Einsatz, etwa der Tinetti-Test oder die Berg Balance Scale 9.
Was tun bei einem auffälligen Ergebnis?
Informieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, am besten mit den Ergebnissen. Das BIÖG empfiehlt dies bei Stürzen und bei beginnender Unsicherheit, damit gemeinsam Ursachen und Maßnahmen besprochen werden können 6. Auch nach einem Sturz ohne sichtbare Verletzung sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden; dahinter können Kreislaufprobleme, Medikamentennebenwirkungen oder Infektionen stecken 10. Als nächste Schritte kommen je nach Befund Gleichgewichts- und Krafttraining (Gleichgewichtstraining für Senioren), eine Überprüfung der Medikamente, der Sehkraft und der Wohnung in Frage. Was im Moment eines Sturzes zu tun ist, steht im Ratgeber Sturz im Alter: was tun?.
Wann zum Arzt
Suchen Sie die Hausarztpraxis auf,
- wenn eine der drei Schlüsselfragen mit Ja zu beantworten ist, also bei Unsicherheit beim Gehen, Sorge vor Stürzen oder einem Sturz im letzten Jahr 1,6;
- nach jedem Sturz, auch ohne sichtbare Verletzung, damit die Ursache geklärt wird 10;
- wenn Schwindel, Sehprobleme oder Medikamente Sie unsicher machen: Auswahl und Dosierung sollten ärztlich überprüft werden, ändern Sie sie nicht selbst 6;
- wenn ein Test auffällig war oder Sie sich bei der Durchführung unsicher gefühlt haben 2,4.
Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie in Deutschland die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Rechner zum Thema
- Sturzrisiko einschätzen Fragebogen zur Orientierung, im Browser und ohne Datenübertragung; ersetzt keine Untersuchung.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein erhöhtes Sturzrisiko?
Die CDC nennt drei Fragen: Fühlen Sie sich beim Stehen oder Gehen unsicher, sorgen Sie sich zu stürzen, sind Sie im letzten Jahr gestürzt? Ein Ja auf eine der Fragen gilt als mögliches Risiko 1. Die Ursache klärt die Hausarztpraxis.
Was ist ein guter Wert beim Timed Up and Go?
Nach dem CDC-Protokoll gilt eine Zeit von 12 Sekunden oder mehr als Hinweis auf ein Sturzrisiko 2. Das ist ein Orientierungswert für Fachpersonal und keine Diagnose.
Kann ich den Test allein zu Hause machen?
Das ist nicht vorgesehen: Das Fachpersonal bleibt bei den Tests aus Sicherheitsgründen neben der Person 2,4. Üben Sie nur mit einer zweiten Person, die Sie sichert.
Ersetzt ein Test die ärztliche Untersuchung?
Nein. Ein einzelner Test reicht nicht aus, um das persönliche Sturzrisiko vollständig zu beurteilen 9. Erkrankungen, Medikamente und das Wohnumfeld gehören dazu.
Wie viele Aufstehvorgänge sind im 30-Sekunden-Test normal?
Die CDC nennt Werte, die unter dem Durchschnitt liegen: bei Frauen von 70 bis 74 Jahren zum Beispiel unter 10, bei Männern derselben Altersgruppe unter 12 3. Die vollständige Tabelle steht oben.
Wie lange muss ich beim Gleichgewichtstest stehen?
In jeder der vier Positionen 10 Sekunden. Kann ein älterer Mensch den Tandemstand nicht mindestens 10 Sekunden halten, ist das Sturzrisiko laut CDC erhöht 4.
Quellen
- STEADI Algorithm for Fall Risk Screening, Assessment, and Intervention, Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Abgerufen am 16. Oktober 2026
- STEADI Assessment: Timed Up & Go (TUG), CDC. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- STEADI Assessment: 30-Second Chair Stand, CDC. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- STEADI Assessment: 4-Stage Balance Test, CDC. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- Stürze (ab 65 Jahre), GBE-Indikator, Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Stand 20.11.2024. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Selbstangaben.
- Wie Sie Sturzrisiken vorbeugen können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- The timed „Up & Go“: a test of basic functional mobility for frail elderly persons (Podsiadlo, Richardson 1991), Journal of the American Geriatrics Society, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Abstract gelesen über die NCBI-Schnittstelle.
- Predicting the probability for falls in community-dwelling older adults using the Timed Up & Go Test (Shumway-Cook et al. 2000), Physical Therapy, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Abstract gelesen über die NCBI-Schnittstelle.
- Sturzrisiko und Sturzgefahr, pflege.de. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Journalistisches Portal, nur für die Aussage zu Einzeltests und Beinahe-Stürzen.
- Sturzprophylaxe im Alter, DAK-Gesundheit, aktualisiert am 01.10.2026. Abgerufen am 16. Oktober 2026