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Herz, Schlaf und Erholung

HRV Normalwerte: Was RMSSD und SDNN nach Alter und Geschlecht zeigen

Allgemeingültige Normwerte für die Herzfrequenzvariabilität (HRV) gibt es nicht 1. In einer deutschen Studie mit 5-Minuten-Messungen lag der RMSSD bei 25- bis 34-jährigen Frauen im Mittel bei 42,9 ms, bei 65- bis 74-Jährigen bei 19,1 ms 4. Die HRV nimmt mit dem Alter natürlicherweise ab 2; aussagekräftiger als ein Einzelwert ist der eigene Verlauf 1,2.

Das Wichtigste in Zahlen

  • Allgemeingültige Normwerte für die HRV gibt es laut AOK nicht: Referenzwerte unterscheiden sich deutlich nach Alter, Geschlecht und Bevölkerungsgruppe. 1
  • Deutsche Studie (KORA S4, 5-Minuten-Messung): RMSSD im Mittel 42,9 ms (Frauen) und 39,7 ms (Männer) bei 25 bis 34 Jahren, 19,1 ms bei beiden Geschlechtern bei 65 bis 74 Jahren. 4
  • Zusammenfassung von 44 Studien mit 21.438 gesunden Erwachsenen: mittlerer RMSSD 42 ms, Spanne der Studienmittelwerte 19 bis 75 ms. 5
  • Wearables messen die Pulswelle am Handgelenk optisch, nicht die Herzaktivität elektrisch; ein EKG ersetzen sie für eine medizinische Beurteilung nicht. 1

Was misst die HRV, und was bedeuten RMSSD und SDNN?

Das Herz schlägt nicht wie ein Metronom. Die zeitlichen Abstände zwischen zwei Herzschlägen verändern sich ständig, selbst bei gleichbleibender Herzrate können sie nach Angaben der AOK um 10 bis 30 Prozent schwanken 1. Diese Abstände heißen NN-Intervalle (normal to normal), und aus der Schwankung vieler aufeinanderfolgender Intervalle lässt sich die Herzfrequenzvariabilität berechnen 1. Die AOK beschreibt die HRV als Hinweis darauf, wie gut sich der Körper an verschiedene innere oder äußere Einflüsse anpassen kann 1.

Die Deutsche Herzstiftung formuliert es so: Eine hohe HRV zeigt, dass sich das Herz gut an wechselnde Situationen wie Sport- und Ruhephasen anpasst; bei einer niedrigen HRV reagiert das Herz weniger flexibel, was auf Dauerstress, Überlastung oder eine erhöhte Herz-Kreislauf-Belastung hinweisen kann 2.

In Messgeräten und Apps begegnen Ihnen vor allem zwei Kennzahlen, beide in Millisekunden (ms):

  • SDNN: die Standardabweichung der NN-Intervalle über den Messzeitraum 4,6. Sie erfasst die gesamte Schwankung.
  • RMSSD: die Wurzel aus dem Mittelwert der quadrierten Unterschiede aufeinanderfolgender NN-Intervalle 4. Sie gilt als wichtigstes Zeitbereichsmaß für Veränderungen, die über den Vagusnerv vermittelt werden 6.

Entscheidend ist der Messzeitraum. Üblich sind für Kurzzeitmessungen fünf Minuten 6; die AOK nennt außerdem ein Langzeit-EKG über 24 Stunden 1. Die Autoren eines Überblicks zu HRV-Kennzahlen und Normwerten warnen ausdrücklich, dass 24-Stunden-, Kurzzeit- und Ultrakurzzeit-Normwerte nicht austauschbar sind 6. Ein RMSSD, den Ihr Wearable über eine andere Messdauer bildet, und ein RMSSD aus einer 5-Minuten-Studie sind also keine gleichartigen Zahlen.

Gibt es normale HRV-Werte?

Die kurze Antwort der AOK lautet nein: Allgemeingültige Normwerte gibt es nicht, weil die HRV von vielen individuellen und äußeren Faktoren abhängt. Referenzwerte existieren zwar, sie unterscheiden sich aber deutlich je nach Alter, Geschlecht und Bevölkerungsgruppe. Entscheidend ist die individuelle Einordnung, und aussagekräftiger als einzelne Messwerte ist häufig der persönliche Verlauf über einen längeren Zeitraum 1.

Wie weit die Zahlen auseinanderliegen, zeigt eine Auswertung von Nunan und Kollegen. Sie fasste 44 Studien mit 21.438 gesunden Erwachsenen zusammen, die nach 1996 Kurzzeitwerte der HRV berichtet hatten 5. Die Autoren stellten große Unterschiede zwischen Menschen fest und forderten Bevölkerungsstudien über alle Altersgruppen 5. Die Ergebnisse, wiedergegeben im Überblick von Shaffer und Ginsberg 6:

Kurzzeit-HRV gesunder Erwachsener, Zusammenfassung von 44 Studien (Nunan 2010)
KennzahlMittelwert (Standardabweichung)Spanne der Studienmittelwerte
SDNN50 ms (16)32 bis 93 ms
RMSSD42 ms (15)19 bis 75 ms

Quelle: Nunan et al., PACE 2010, wiedergegeben bei Shaffer und Ginsberg, Frontiers in Public Health 2017, Tabelle 6. Mischung verschiedener Alters- und Messbedingungen; kein Zielbereich.

Ein RMSSD von 19 ms und einer von 75 ms können in dieser Zusammenfassung beide aus Gruppen gesunder Erwachsener stammen. Daraus folgt: Ein einzelner Wert ohne Angabe von Alter, Geschlecht, Messdauer und Gerät erlaubt keine Aussage über „zu niedrig“ oder „zu hoch“.

HRV-Tabelle nach Alter und Geschlecht: Werte aus Deutschland

Als Referenz für Deutschland taugt die Arbeit von Voss und Kollegen aus dem Jahr 2015. Die Forschungsgruppe wertete 5-Minuten-Messungen von 1.906 gesunden Teilnehmenden der Kohorte KORA S4 aus, 782 Frauen und 1.124 Männern im Alter von 25 bis 74 Jahren 4. Die arbeitsmedizinische Leitlinie von Sammito und Kollegen führt diese Arbeit als repräsentative Erhebung für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland 8. Die beiden folgenden Tabellen übernehmen die Mittelwerte der Studie unverändert.

RMSSD in ms nach Altersdekade, 5-Minuten-Messung (Mittelwert, in Klammern Standardabweichung)
AlterFrauenMänner
25 bis 34 Jahre42,9 (22,8)39,7 (19,9)
35 bis 44 Jahre35,4 (18,5)32,0 (16,5)
45 bis 54 Jahre26,3 (13,6)23,0 (10,9)
55 bis 64 Jahre21,4 (11,9)19,9 (11,1)
65 bis 74 Jahre19,1 (11,8)19,1 (10,7)

Quelle: Voss et al., PLoS One 2015, KORA S4 (1.906 Gesunde). Mittelwerte; die Standardabweichungen sind hoch.

SDNN in ms nach Altersdekade, 5-Minuten-Messung (Mittelwert, in Klammern Standardabweichung)
AlterFrauenMänner
25 bis 34 Jahre48,7 (19,0)50,0 (20,9)
35 bis 44 Jahre45,4 (20,5)44,6 (16,8)
45 bis 54 Jahre36,9 (13,8)36,8 (14,6)
55 bis 64 Jahre30,6 (12,4)32,8 (14,7)
65 bis 74 Jahre27,8 (11,8)29,6 (13,2)

Quelle: Voss et al., PLoS One 2015, KORA S4. Mittelwerte und Standardabweichungen unverändert übernommen.

Mittlerer RMSSD nach Alter und GeschlechtMittelwerte des RMSSD in Millisekunden aus der KORA-Studie. Frauen: 42,9 bei 25 bis 34 Jahren, 35,4, 26,3, 21,4 und 19,1 bei 65 bis 74 Jahren. Männer: 39,7, 32,0, 23,0, 19,9 und 19,1.Frauen 25 bis 3442,9Frauen 35 bis 4435,4Frauen 45 bis 5426,3Frauen 55 bis 6421,4Frauen 65 bis 7419,1Männer 25 bis 3439,7Männer 35 bis 4432,0Männer 45 bis 5423,0Männer 55 bis 6419,9Männer 65 bis 7419,1
Mittlerer RMSSD je Gruppe nach Voss et al. 2015 (KORA S4). Die Balken zeigen Gruppenmittelwerte, keine Normbereiche und keine Grenze zwischen gesund und krank; die Einzelwerte streuen stark (Standardabweichungen in der Tabelle oben).

Drei Dinge lesen Sie aus den Tabellen ab. Erstens sinken beide Kennzahlen mit dem Alter deutlich: Der mittlere RMSSD der Frauen fällt von 42,9 auf 19,1 ms. Zweitens sind die Gruppenunterschiede zwischen Frauen und Männern klein: Beim RMSSD war der Unterschied in keiner der fünf Altersdekaden statistisch signifikant, und die Autoren schreiben, die Geschlechtsunterschiede seien in den beiden letzten Altersdekaden verschwunden 4. Drittens, und das ist der wichtigste Punkt: Die Standardabweichungen sind groß, häufig mehr als halb so groß wie der Mittelwert. Innerhalb einer Altersgruppe liegen sehr verschiedene Werte vor, ohne dass dies etwas über die Gesundheit sagt.

Rechnen Sie mit diesen Tabellen deshalb nicht so: „Mein RMSSD liegt unter dem Mittelwert, also stimmt etwas nicht.“ Die Tabellen zeigen, was in einer bestimmten Gruppe bei einer bestimmten Messmethode gefunden wurde. Sie eignen sich als grobe Orientierung, wie stark die Werte mit dem Alter sinken, nicht als Zielwert. Wie Sie selbst messen, erklärt der Ratgeber HRV messen; was die HRV beeinflusst, steht im Ratgeber HRV verbessern, und zum Stresserleben siehe Stress messen.

Wie verändert sich die HRV mit Alter und Geschlecht?

Dass die HRV im Laufe des Lebens natürlicherweise abnimmt, schreibt auch die Herzstiftung 2. Eine Studie von Umetani und Kollegen aus dem Jahr 1998 mit 24-Stunden-Messungen bei 260 Gesunden zwischen 10 und 99 Jahren fand dasselbe, wobei der Verlauf vom jeweiligen Maß abhing 7. Die Autoren halten außerdem fest, dass die HRV gesunder Menschen im höheren Alter unter Werte fallen kann, die in anderen Studien mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden waren 7. Eine niedrige HRV im Alter ist demnach nicht automatisch ein Krankheitszeichen.

Zum Geschlecht fassen Umetani und Kollegen zusammen, dass das Geschlecht die HRV beeinflusst und die Unterschiede von Alter und Kennzahl abhängen 7. Die Studie von Voss und Kollegen findet bei den 25- bis 74-Jährigen nur geringe Unterschiede 4. Die Leitlinie von Sammito und Kollegen empfiehlt, bei Vergleichen die Abhängigkeit von Alter und Geschlecht zu beachten und eine passende Referenzgruppe zu wählen 8.

Weitere Einflüsse nennt die AOK: körperliche Aktivität, Schlaf, Stress, Medikamente und Erkrankungen 1. Gut Trainierte haben in der Regel eine höhere HRV als Untrainierte 1. Nach der Apotheken Umschau können ausgiebiges Training, Zigaretten, Alkohol und andere Faktoren die HRV senken 3. Die Herzstiftung ergänzt als negative Einflüsse Dauerstress, Schlafmangel, Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie depressive Verstimmungen und Angststörungen 2. Für Ihre eigene Messreihe heißt das: Eine schlechte Nacht, ein Infekt oder ein intensiver Trainingstag können den Tageswert senken, ohne dass es ein dauerhafter Trend ist.

Warum zeigen Uhr, Armband und EKG unterschiedliche HRV-Werte?

Der Goldstandard für die HRV-Messung ist das EKG 1. Viele Fitness-Tracker, Sportuhren und Smartwatches bieten ebenfalls eine HRV-Messung an. Anders als ein EKG erfassen sie die Herzaktivität nicht elektrisch, sondern messen mithilfe optischer Sensoren die Pulswelle am Handgelenk 1. Die Apotheken Umschau zitiert den von ihr befragten Experten Hottenrott: Am Handgelenk oder Finger messen Wearables nicht die Herzfrequenz-, sondern die Pulsfrequenzvariabilität, die für die HRV-Analyse weniger präzise Werte liefert 3. Die Leitlinie von Sammito und Kollegen verlangt, strikt zwischen HRV und Pulsfrequenzvariabilität zu unterscheiden 8.

Was ein EKG und ein optisches Wearable messen
MerkmalEKGOptisches Wearable
SignalElektrische HerzaktivitätPulswelle am Handgelenk (Lichtreflexion)
ErgebnisHerzfrequenzvariabilitätPulsfrequenzvariabilität
EinordnungGoldstandard 1Hinweis für den eigenen Verlauf 3
Medizinische Beurteilunggeeignetersetzt das EKG nicht 1

Zusammenstellung nach AOK, Apotheken Umschau und der Leitlinie von Sammito et al.

Wie gut die Übereinstimmung ist, hängt vom Messwert und von der Situation ab. Ein Überblick von Schäfer und Vagedes zu Studien, die Pulswellen- und EKG-Messung verglichen, kommt zu dem Schluss, dass die Genauigkeit in Ruhe ausreichend ist, die kurzfristige Variabilität aber oft etwas überschätzt wird; Bewegung und mentale Belastung können die Übereinstimmung deutlich verschlechtern 9. Theurl und Kollegen verglichen die Messung einer handelsüblichen Smartwatch mit einem hochauflösenden EKG bei 104 Überlebenden eines Herzinfarkts, 129 Menschen nach einem Schlaganfall und 30 Kontrollpersonen: Für übergeordnete Maße war die Übereinstimmung sehr hoch, der RMSSD stimmte dagegen nur mäßig überein, und die Autoren mahnen zur Vorsicht bei Kennzahlen der kurzfristigen Variabilität 10.

Der RMSSD, die am häufigsten verwendete Kennzahl für Kurzzeitmessungen, gehört also zu den Werten, bei denen die Abweichung zwischen Wearable und EKG am größten sein kann. Hinzu kommt der Messzeitraum: Die Tabellen oben beruhen auf Messungen über fünf Minuten, und Werte unterschiedlicher Messdauer sind nicht austauschbar 6. Die Zahlen Ihres Wearables lassen sich deshalb nicht einfach in die Tabelle oben eintragen.

So messen Sie Ihre HRV vergleichbar

Wer die HRV beobachten will, sollte nach der Leitlinie von Sammito und Kollegen nur mit einer Ausgangsmessung oder mit Wiederholungsmessungen unter vergleichbaren Bedingungen arbeiten 8. Die Apotheken Umschau nennt dafür praktische Regeln 3:

HRV vergleichbar messenVier Regeln für vergleichbare HRV-Messungen: gleiche Uhrzeit, ruhige Umgebung, gleiche Körperhaltung, immer dasselbe Messsystem.1Gleiche UhrzeitMöglichst täglich zurselben Zeit2RuheRuhige Umgebung, nichtsprechen3Gleiche HaltungImmer in derselbenKörperhaltung4Ein SystemDasselbe Gerät unddieselbe Auswertung
Regeln für vergleichbare HRV-Messungen. Eigene Darstellung nach Apotheken Umschau (Hottenrott) und der Leitlinie von Sammito et al.
  • möglichst zur selben Uhrzeit, in ruhiger Umgebung und in der gleichen Körperhaltung messen, währenddessen nicht sprechen oder sich bewegen;
  • immer dasselbe System zur Messung und Auswertung nutzen 3;
  • über einen längeren Zeitraum messen: Entscheidend ist laut Herzstiftung nicht ein einzelner Wert, sondern der Verlauf über die Zeit 2;
  • Einflüsse notieren, die den Wert verändern können, etwa Training, Alkohol, Rauchen oder wenig Schlaf 3.

Die Apotheken Umschau betont außerdem, was man auf keinen Fall tun sollte: sich durch seine HRV-Messwerte stressen lassen. Bei Bedenken solle man zuerst eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen 3. Auch die AOK weist darauf hin, dass die HRV nie isoliert, sondern immer zusammen mit dem persönlichen Befinden betrachtet werden sollte; sinken die Werte über mehrere Tage deutlich ab, kann das ein Hinweis darauf sein, dass der Körper noch nicht vollständig erholt ist, und steigen sie wieder auf das gewohnte Niveau, spricht das für eine gute Erholung 1.

Wer wissen möchte, wie die Herzfrequenz in Ruhe einzuordnen ist, findet die Richtwerte im Ratgeber Ruhepuls: Normalwerte. Zu Schlaf und Erholung gibt der Ratgeber Schlafphasen einen Überblick.

Lässt sich die HRV beeinflussen?

Einige Faktoren lassen sich über den Lebensstil verändern. Nach der AOK können regelmäßiger Sport, Nichtrauchen, gute Stressbewältigung und ein gesundes Körpergewicht die HRV positiv beeinflussen 1. Die Herzstiftung nennt regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge und Ausdauertraining in moderatem Tempo, Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation oder progressive Muskelrelaxation sowie ausreichend Schlaf und bewusste Erholungsphasen 2.

Das sind allgemeine Hinweise zur Herzgesundheit, keine Behandlung. Ob und wie sich Ihre HRV verändert, hängt von vielen Faktoren ab, und eine Messreihe mit einem Wearable kann dazu nur Hinweise geben, keine Diagnose.

Wann zum Arzt?

Eine HRV-Zahl ersetzt keine Untersuchung. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt,

  • wenn Sie Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel, Luftnot oder Brustschmerzen haben: Die Herzstiftung rät bei Herzrhythmusstörungen mit Luftnot bei Belastung, Brustschmerzen oder Schwindel, sofort ärztliche Hilfe aufzusuchen 12, unabhängig davon, was Ihr Wearable als HRV anzeigt;
  • wenn Sie Bedenken wegen Ihrer Messwerte haben: Die Apotheken Umschau rät in diesem Fall, zuerst ärztlichen Rat einzuholen 3;
  • wenn Sie eine HRV medizinisch beurteilen lassen möchten: Dafür ist ein EKG nötig, ein Wearable ersetzt es nicht 1. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, bei akuter Lebensgefahr wählen Sie die 112 11.

Häufige Fragen

Welche HRV ist normal?

Allgemeingültige Normwerte gibt es nicht 1. In einer deutschen Studie mit 5-Minuten-Messungen lag der mittlere RMSSD zwischen 19,1 und 42,9 ms, je nach Alter 4; die Streuung innerhalb jeder Gruppe war groß.

Ist eine niedrige HRV schlecht?

Eine niedrige HRV bedeutet laut Herzstiftung, dass das Herz weniger flexibel reagiert; sie kann auf Dauerstress, Überlastung oder Herzkrankheiten hinweisen 2. Sie nimmt aber auch mit dem Alter natürlicherweise ab 2, und einzelne Werte sagen wenig. Bei Beschwerden fragen Sie ärztlichen Rat.

Was ist der Unterschied zwischen RMSSD und SDNN?

Der SDNN beschreibt die gesamte Schwankung der Herzschlagabstände, der RMSSD die Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Abständen und gilt als Maß für über den Vagusnerv vermittelte Veränderungen 4,6.

Ab welchem Wert ist die HRV zu niedrig?

Dafür gibt es keine feste Grenze. Die Streuung ist groß, und die Werte hängen von Alter, Geschlecht, Messdauer und Gerät ab 1,4,6. Wir nennen deshalb keinen Grenzwert.

Kann ein Wearable die HRV genau messen?

Optische Sensoren messen die Pulswelle am Handgelenk und damit die Pulsfrequenzvariabilität 1,3. In Ruhe ist die Übereinstimmung mit dem EKG ausreichend, bei Bewegung deutlich schlechter 9; der RMSSD wich in einer Studie nur mäßig vom EKG ab 10. Für eine medizinische Beurteilung ersetzt ein Wearable das EKG nicht 1.

Ändert sich die HRV mit dem Alter?

Ja, sie nimmt im Laufe des Lebens natürlicherweise ab 2. In der deutschen Studie fiel der mittlere RMSSD der Frauen von 42,9 ms (25 bis 34 Jahre) auf 19,1 ms (65 bis 74 Jahre) 4.

Wie messe ich meine HRV vergleichbar?

Möglichst täglich zur selben Uhrzeit, in ruhiger Umgebung, in gleicher Körperhaltung und immer mit demselben Gerät 3. Aussagekräftiger als ein Einzelwert ist der Verlauf 1,2.

Warum ist meine HRV niedriger als die von Freunden?

Weil Alter, Geschlecht, Fitness, Schlaf, Stress, Medikamente und Erkrankungen sie beeinflussen 1, und weil die Streuung zwischen gesunden Menschen groß ist 4,5. Ein Vergleich zwischen Personen sagt wenig; sinnvoll ist der Vergleich mit den eigenen früheren Werten.

Quellen

  1. Herzfrequenzvariabilität: Wie sie gemessen wird und was sie aussagt, AOK. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Veröffentlicht am 02.12.2022, aktualisiert am 09.09.2026.
  2. Wie Stress das Herz in Gefahr bringt, Deutsche Herzstiftung. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Herzratenvariabilität: Stress messen, gezielt entspannen, Apotheken Umschau. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  4. Short-term heart rate variability: influence of gender and age in healthy subjects, Voss A. et al., PLoS One 2015. Abgerufen am 16. Oktober 2026. KORA S4, 1.906 Gesunde, 5-Minuten-Messung.
  5. A quantitative systematic review of normal values for short-term heart rate variability in healthy adults, Nunan D., Sandercock G., Brodie D., PACE 2010. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. An Overview of Heart Rate Variability Metrics and Norms, Shaffer F., Ginsberg J.P., Frontiers in Public Health 2017. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. Twenty-four hour time domain heart rate variability and heart rate: relations to age and gender over nine decades, Umetani K. et al., Journal of the American College of Cardiology 1998. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Guideline for the application of heart rate and heart rate variability in occupational medicine and occupational health science, Sammito S. et al., Journal of Occupational Medicine and Toxicology 2024. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. How accurate is pulse rate variability as an estimate of heart rate variability?, Schäfer A., Vagedes J., International Journal of Cardiology 2013. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  10. Smartwatch-derived heart rate variability: a head-to-head comparison with the gold standard in cardiovascular disease, Theurl F. et al., European Heart Journal Digital Health 2023. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  11. Wen anrufen: 116117 oder 112?, 116117.de, Kassenärztliche Bundesvereinigung. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  12. #PULSEDAY: Puls messen und vor Risiken durch Herzrhythmusstörungen schützen, Deutsche Herzstiftung, Pressemitteilung. Abgerufen am 16. Oktober 2026