Das Wichtigste in Zahlen
- 5 Minuten ruhig sitzen, dann Zeige- und Mittelfinger an die Handgelenk-Innenseite unter der Daumenwurzel legen: die Messung der Deutschen Herzstiftung. 1
- 15 Sekunden mal 4 oder 30 Sekunden mal 2; die AOK nennt auch 60 Sekunden ohne Umrechnung. 1
- Bei unregelmäßigem Puls eine ganze Minute zählen und den Wert nicht hochrechnen. 1
- Der Daumen hat einen eigenen Puls und darf nicht zum Messen benutzt werden. 1
Wie messe ich den Puls am Handgelenk?
Der Puls entspricht in der Regel dem Herzschlag pro Minute 2. Besonders gut eignet sich zum Tasten die Speichenarterie an der Innenseite des Handgelenks 2. Die Herzstiftung beschreibt drei Schritte 1 und bietet außerdem eine kostenfreie Pulskarte im Scheckkartenformat an:
- Tasten. Setzen Sie sich 5 Minuten ruhig hin. Legen Sie zwei oder drei Finger (die Herzstiftung nennt beides 1,2) auf die Innenseite des Handgelenks, am äußeren Rand direkt unter der Daumenwurzel, und erspüren Sie dort den pulsierenden Herzschlag. Ob linker oder rechter Arm, ist egal 1.
- Zählen. Sobald Sie den Puls spüren, zählen Sie die Schläge 15 Sekunden lang und vervierfachen den Wert 1. Die Herzstiftung nennt im Ratgeber auch 30 Sekunden lang zählen und den Wert mal zwei nehmen 2.
- Aufpassen. Benutzen Sie nicht den Daumen: Er hat seinen eigenen Puls, und der ist oft so stark, dass er andere Pulswellen überdeckt 1.
Die AOK ergänzt, dass Sie nur eine Uhr mit Sekundenzeiger brauchen, und warnt vor zu starkem Druck: Wird die Ader abgedrückt, ist kein Puls mehr spürbar 5.
Puls am Hals messen: Wann und wie?
Alternativ lässt sich der Puls an der Halsschlagader messen. Dazu platzieren Sie nach Angaben der AOK die Finger seitlich am Hals unterhalb des Kiefers und drücken leicht 5. Auch hier gilt: kein Daumen, kein starker Druck. Am besten eignen sich nach der AOK die Schlagadern an den Handgelenken 5; die Halsschlagader ist die Alternative.
15, 30 oder 60 Sekunden zählen: Was ist besser?
Die Quellen nennen unterschiedliche Zählzeiten: Die Herzstiftung 15 Sekunden mal vier 1 oder 30 Sekunden mal zwei 2, die AOK 60 Sekunden oder alternativ 30 Sekunden mal zwei 5. Die Tabelle rechnet typische Zählergebnisse in Schläge pro Minute um.
| Gezählt in 15 Sekunden | Pro Minute (mal 4) | Gezählt in 30 Sekunden | Pro Minute (mal 2) |
|---|---|---|---|
| 15 | 60 | 30 | 60 |
| 17 | 68 | 34 | 68 |
| 18 | 72 | 36 | 72 |
| 20 | 80 | 40 | 80 |
| 22 | 88 | 44 | 88 |
| 25 | 100 | 50 | 100 |
Eigene Berechnung: Schläge mal (60 geteilt durch die Zählzeit in Sekunden).
Je kürzer Sie zählen, desto stärker wirkt sich ein verpasster oder zusätzlich gezählter Schlag auf das Ergebnis aus. Das folgt direkt aus der Rechnung:
Wer es genau haben möchte, zählt daher länger. Die AOK empfiehlt zusätzlich, die Messung einige Male zu wiederholen und den Durchschnitt aus drei Werten zu bilden 5. Wenn der Puls unregelmäßig ist, gilt nach der Herzstiftung eine feste Regel: eine Minute lang messen und den Wert nicht vervierfachen 1.
Wann und unter welchen Bedingungen messen?
Normalwerte werden für den Ruhezustand im Sitzen oder Liegen angegeben 2. Die besten Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie den Ruhepuls am Morgen kurz nach dem Aufstehen messen; bei einer Messung tagsüber sollten Sie vorher einige Minuten entspannt sitzen oder liegen 2. Vermeiden Sie die Messung direkt nach Anstrengung, Kaffee oder Aufregung: Ein hoher Puls kann durch Koffein oder Stress verursacht werden 2.
Für Erwachsene nennt die Herzstiftung in Ruhe etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute 2; wie die Werte nach Alter und Geschlecht zu lesen sind und wo die Quellen voneinander abweichen, steht im Ratgeber Ruhepuls: Normalwerte. Die Herzstiftung rät, regelmäßig den Puls zu messen, weil ein hoher Puls auch ein Warnsignal für eine Herzrhythmusstörung sein kann 2.
Was ist, wenn der Puls unregelmäßig ist?
Bei einigen Krankheiten, insbesondere bei einigen Formen von Herzrhythmusstörungen, kann der messbare Puls vom Herzschlag abweichen 2. Das tastende Selbstmessen hat hier Grenzen: Manchen Menschen fällt es schwer, den Puls selbst zu tasten, und vor allem ein unrhythmischer Puls ist manchmal schwer zu erkennen 3. Die Herzstiftung weist außerdem darauf hin, dass Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung, sich nur bei zwei Drittel der Betroffenen durch spürbare Beschwerden bemerkbar macht 1.
Wichtig ist die Grenze Ihrer Selbstkontrolle: Sie können einen auffälligen Puls bemerken, aber nicht selbst feststellen, was dahintersteckt. Die Herzstiftung betont, dass die Diagnose Vorhofflimmern stets von einer Ärztin oder einem Arzt bestätigt werden muss 3. Ein Elektrokardiogramm (EKG) lässt sich nach Aussage des DGK-Präsidenten meist gut zur Bewertung einer Rhythmusstörung nutzen 1. Dazu kommt eine Empfehlung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie: Menschen ab 65 Jahren sollen bei einem Arztkontakt auf ein mögliches Vorhofflimmern untersucht werden, zum Beispiel durch Pulstasten; unterstützend sollten sie regelmäßig ihren Puls selbst messen 1.
Puls mit Blutdruckgerät, App, Uhr oder Armband messen
Neben dem Tasten gibt es Hilfsmittel. Die Herzstiftung nennt in einer Sprechstundenantwort mehrere Möglichkeiten, regelmäßig den Puls zu kontrollieren 3:
| Methode | Wie sie funktioniert | Was zu beachten ist |
|---|---|---|
| Tasten am Handgelenk | Finger an der Speichenarterie, Uhr mit Sekundenzeiger | Günstigster Weg 3; unrhythmischer Puls ist schwer zu erkennen 3. |
| Blutdruckmessgerät mit Pulsanzeige | Viele Geräte zeigen auch den Puls und eine mögliche Rhythmusstörung an 3 | Gibt einen Hinweis; die Deutung gehört in ärztliche Hände 3. |
| Smartphone-Kamera mit App | Photoplethysmographie (PPG): Lichtreflexion am Finger 3 | Messung muss bewusst gestartet werden; Auswahl der App mit dem Arzt besprechen 3. |
| Smartwatch oder Armband | Ebenfalls Photoplethysmographie, automatisch in Abständen 3 | Sitz und Sauberkeit sind wichtig 4. |
Zusammenstellung nach den Herzstiftung-Sprechstundenantworten. Produkte und Genauigkeitswerte einzelner Geräte sind nicht Thema dieses Ratgebers.
Optische Sensoren messen nicht die elektrische Herzaktivität, sondern die Pulswelle am Handgelenk 6. Die Herzstiftung beantwortet die Frage, was bei zu niedrigen Smartwatch-Werten zu tun ist, mit zwei praktischen Hinweisen: Die Uhr muss eng genug an der Haut anliegen, ohne zu drücken, und Handgelenk und Sensor müssen sauber sein. Im Zweifel können Sie Ihren Puls selbst nachzählen 4. Treten nur gelegentlich niedrige Werte auf, die bei Aktivität wieder steigen, und fühlen Sie sich wohl, besteht nach der Herzstiftung kein Grund zur Sorge; bleibt der Puls dauerhaft zwischen 40 und 50 oder treten Beschwerden auf, sollten Sie ärztlichen Rat einholen 4.
Wie genau ist die Messung? Eine Übersichtsarbeit zu Studien, die Pulswellen- und EKG-Messung verglichen, kommt zu dem Schluss, dass die Genauigkeit in Ruhe ausreichend ist, bei Bewegung und manchen mentalen Belastungen aber oft in nicht akzeptablem Ausmaß abnimmt 7. Genauigkeitswerte einzelner Geräte sind hier nicht aufgeführt, da die ausgewerteten Quellen keine nennen. Für Menschen ab 65 mit Herz-Kreislauf-Risiken können nach der Herzstiftung Apps und Geräte mit EKG-Funktion und Pulsüberwachung im Alltag hilfreich sein 1.
Die häufigsten Fehler beim Pulsmessen
- Den Daumen benutzen: Er hat einen eigenen Puls, der andere Pulswellen überdeckt 1,5.
- Zu fest drücken: Dann wird die Ader abgedrückt, und der Puls ist nicht mehr zu spüren 5.
- Direkt nach Bewegung oder Aufregung messen: Normalwerte gelten für den Ruhezustand 2.
- Zu kurz zählen: Ein Fehler von einem Schlag wirkt sich bei 15 Sekunden vierfach aus (siehe Abbildung oben).
- Bei unregelmäßigem Puls hochrechnen: Dann gilt eine volle Minute ohne Umrechnung 1.
- Nur einmal messen: Besser ist der Durchschnitt aus mehreren Messungen 5.
Wer den Puls über Wochen beobachten will, findet im Ratgeber HRV Normalwerte eine Erklärung, was die Herzfrequenzvariabilität zusätzlich zeigt und warum Wearable-Werte nicht mit Tabellen verglichen werden sollten.
Wann zum Arzt?
Die Pulsmessung ersetzt keine Untersuchung. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt,
- wenn Ihr Puls in Ruhe wiederholt über 100 Schlägen pro Minute liegt: Die Herzstiftung rät in diesem Fall, den Arzt zu konsultieren 3;
- wenn der Puls dauerhaft sehr niedrig ist oder wenn ein niedriger Puls mit Schwindel, Müdigkeit, Atemnot oder Ohnmacht einhergeht 1,4;
- wenn Ihnen ein unregelmäßiger Herzschlag auffällt, auch wenn er nur zeitweise auftritt, oder wenn Sie Herzstolpern bemerken; die Diagnose stellt immer eine Ärztin oder ein Arzt 3;
- bei Luftnot bei Belastung, Brustschmerzen oder Schwindel mit Herzrasen: sofort ärztliche Hilfe, außerhalb der Sprechzeiten unter 116 117, bei akuter Lebensgefahr die 112 1,8.
Häufige Fragen
Wie messe ich den Puls am Handgelenk richtig?
Fünf Minuten ruhig sitzen, Zeige- und Mittelfinger auf die Innenseite des Handgelenks unter die Daumenwurzel legen, 15 Sekunden zählen und mit vier multiplizieren, oder 30 Sekunden mit zwei 1,2. Den Daumen nicht benutzen 1.
Wie lange muss ich den Puls zählen?
Die Herzstiftung nennt 15 Sekunden (mal vier) 1 oder 30 Sekunden (mal zwei) 2, die AOK 60 Sekunden oder 30 Sekunden mal zwei 5. Bei unregelmäßigem Puls eine ganze Minute zählen, ohne hochzurechnen 1.
Wo messe ich den Puls am besten?
Am Handgelenk, an der Speichenarterie unter dem Daumen 2. Alternativ geht es an der Halsschlagader seitlich am Hals unterhalb des Kiefers, mit leichtem Druck 5.
Warum darf ich den Daumen nicht benutzen?
Der Daumen hat seinen eigenen Puls, der oft so stark ist, dass er andere Pulswellen überdeckt und das Ergebnis verfälschen kann 1,5.
Wann sollte ich den Puls messen?
Am besten morgens kurz nach dem Aufstehen 2. Tagsüber vorher einige Minuten entspannt sitzen oder liegen 2. Wiederholen Sie die Messung einige Male und bilden Sie den Durchschnitt 5.
Welcher Puls ist normal?
Bei Erwachsenen in Ruhe etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute 2. Einzelheiten und abweichende Angaben finden Sie im Ratgeber zum Ruhepuls.
Wie genau misst eine Smartwatch den Puls?
Sie misst optisch (Photoplethysmographie) 3. In Ruhe ist die Genauigkeit laut einer Übersichtsarbeit ausreichend, bei Bewegung oft nicht 7. Sitz und saubere Haut sind wichtig 4. Eine ärztliche Untersuchung ersetzt die Uhr nicht.
Kann ich mit der Pulsmessung selbst Herzrhythmusstörungen erkennen?
Sie können einen auffälligen oder unregelmäßigen Puls bemerken, aber nicht selbst feststellen, was dahintersteckt; die Diagnose bestätigt immer ein Arzt 3. Bei Auffälligkeiten suchen Sie ärztlichen Rat.
Quellen
- #PULSEDAY: Puls messen und vor Risiken durch Herzrhythmusstörungen schützen, Deutsche Herzstiftung, Pressemitteilung. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- Welcher Puls ist normal?, Deutsche Herzstiftung. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- Brauche ich eine Smartwatch, um symptomloses Vorhofflimmern zu erkennen?, Deutsche Herzstiftung, Herz-Sprechstunde. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- Was tun, wenn die Smartwatch einen zu niedrigen Puls anzeigt?, Deutsche Herzstiftung, Herz-Sprechstunde. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- So einfach lässt sich der Puls messen, AOK. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Veröffentlicht am 30.09.2022.
- Herzfrequenzvariabilität: Wie sie gemessen wird und was sie aussagt, AOK. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Aktualisiert am 09.09.2026.
- How accurate is pulse rate variability as an estimate of heart rate variability?, Schäfer A., Vagedes J., International Journal of Cardiology 2013. Abgerufen am 16. Oktober 2026
- Wen anrufen: 116117 oder 112?, 116117.de, Kassenärztliche Bundesvereinigung. Abgerufen am 16. Oktober 2026