Das Wichtigste in Zahlen
- Die Stiftung Warentest prüfte 17 Körperanalysewaagen, davon 11 mit App und 6 ohne. 1
- Beim Datenschutz fließt der Basisschutz persönlicher Daten mit 10 % in die Gesamtnote des Tests ein; geprüft wurden Datenstrom der Apps, Kontoschutz und Datenschutzerklärung. 1
- Gewichtsfehler dreier Smart Scales im Median 0 bis 0,3 kg, Fettmasse dagegen 2,2 bis 4,4 kg zu niedrig gegenüber der DEXA. 5
- Nach dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfDI, 2016) können gesammelte Gesundheitsdaten oft nicht gelöscht werden; viele Probleme ließen sich vermeiden, wenn Daten lokal auf dem Smartphone blieben. 2
Brauche ich eine Körperfettwaage mit App?
Nicht zwingend. Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test 10/2024 elf Körperanalysewaagen mit App und sechs ohne App geprüft. Da die Ersteinrichtung der Apps mitunter etwas kompliziert sei, könne der Griff zu einer Waage ohne App gerade für weniger technikaffine Menschen die bessere Wahl sein 1.
Die Apps bringen dafür laut Stiftung Warentest sinnvolle Vorteile: Sie können Messwerte besser visualisieren, erklären und einordnen und geben einen bequemen Überblick über die langfristige Entwicklung der Körperwerte, ganz ohne ständiges Mitschreiben 1. Wer also über Wochen und Monate eine Kurve sehen möchte, profitiert von einer App. Wer nur gelegentlich auf die Waage steigt, braucht sie nicht.
Was die App nicht tut: Sie verbessert die Messung nicht. Die Elektrodenmessung findet an der Waage statt; die App ändert sie nicht. Wie weit die Werte danebenliegen können, haben französische Forschende an drei handelsüblichen Smart Scales geprüft. Das Gewicht stimmte gut (mediane Fehler von 0,3, 0 und 0,25 kg), die Fettmasse lag dagegen im Median 2,2, 4,4 und 3,7 kg unter dem DEXA-Wert. Die Autoren schließen, dass solche Waagen für die Körperzusammensetzung nicht genau sind und die DEXA in der Patientenversorgung nicht ersetzen sollten 5.
Das heißt nicht, dass der Verlauf wertlos wäre. Eine Untersuchung von 15 BIA-Geräten fand eine hohe Wiederholbarkeit (Messfehler zwischen 0 und 0,49 Prozentpunkten) und nennt ausgewählte Geräte, die für das Verfolgen über die Zeit nützlich sein könnten 6. Die AOK rät, die Ergebnisse vor allem als Trend zu sehen 7. Die Kriterien für den Kauf selbst erklärt der Ratgeber Körperfettwaage im Test.
Was bringt die Synchronisation mit Apple Health oder Google Fit?
Die Stiftung Warentest führt in ihrem Test auf, welche Waagen mit Gesundheits-Apps wie Apple Health oder Google Fit kompatibel sind 1. Welche das sind, steht in der Tabelle hinter der Bezahlschranke, deshalb nennen wir hier keine Modelle. Der Nutzen der Synchronisation ist praktisch: Gewicht und Körperwerte landen an einer Stelle neben anderen Gesundheitsdaten, und Sie müssen keine Zahlen von Hand übertragen.
Bedenken Sie dabei, dass jede Weitergabe eine zusätzliche Stelle schafft, die Ihre Daten speichert. Das ist keine Wertung, sondern der Anlass für die Fragen im nächsten Abschnitt. Für den Vergleich mit einfachen Digitalwaagen ohne Analysefunktion lohnt der Ratgeber Personenwaage im Test; wie oft Sie sich überhaupt wiegen sollten, steht im Ratgeber Wie oft wiegen?.
Was passiert mit Ihren Daten? Fünf Fragen vor dem Kauf
Gewicht, Körperfett und Muskelmasse sind Gesundheitsdaten. Die Stiftung Warentest bewertet deshalb den Datenschutz mit: Bei App-gesteuerten Geräten schnitt sie den Datenstrom der Apps mit und entschlüsselte ihn, falls möglich, prüfte bei angelegten Konten den Schutz vor unbefugtem Zugriff und ließ einen Juristen die Datenschutzerklärungen auf Vorgaben der DS-GVO prüfen. Der Basisschutz persönlicher Daten macht 10 % der Gesamtnote aus 1.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz (BfDI) hat 2016, also vor Geltung der DSGVO, Gesundheits-Apps und Wearables untersucht und kritisiert: Nutzer würden nicht oder nur mangelhaft darüber informiert, welche ihrer sensiblen Gesundheitsdaten von wem und zu welchem Zweck gespeichert werden, und gesammelte Daten könnten oftmals nicht gelöscht werden. Die Datenschutzerklärungen seien in der Regel zu lang und schwer verständlich. Viele Probleme ließen sich vermeiden, wenn Fitnessdaten lediglich lokal auf dem Smartphone gespeichert und verarbeitet würden. Die Behörden appellierten, vor dem Kauf genau auf den Schutz der Daten zu achten 2. Die Untersuchung ist alt und betraf Wearables, nicht Waagen; wie sich der Markt seither entwickelt hat, geben wir nicht an. Der Rat, vor dem Kauf zu prüfen, gilt weiter.
Die Fragen lassen sich meist vor dem Kauf beantworten, wenn Sie die Datenschutzerklärung des Anbieters lesen. Antwortet sie nicht klar, ist das selbst eine Auskunft.
Welche Rechte haben Sie als Nutzer?
Die Datenschutz-Grundverordnung gibt Betroffenen, deren Daten verarbeitet werden, eine Reihe von Rechten. Der BfDI nennt unter anderem das Recht auf Auskunft (Artikel 15 DSGVO): Sie können vom Verantwortlichen Auskunft darüber verlangen, welche Daten über Sie gespeichert sind und verarbeitet werden, und das Recht auf Löschung (Artikel 17 DSGVO) Ihrer personenbezogenen Daten 3. Beides können Sie gegenüber dem Anbieter Ihrer Waagen-App geltend machen. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt der BfDI auf seiner Seite zu den Betroffenenrechten 3; rechtliche Einzelfragen klärt eine Verbraucherberatung.
Wellness-App oder App auf Rezept?
Verwechselt wird die App einer Körperfettwaage manchmal mit einer „App auf Rezept“. Eine Waagen-App, die sich als Wellness-Anwendung versteht, ist in der Regel kein Medizinprodukt und damit keine DiGA: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beschreibt DiGA als digitale Medizinprodukte niedriger Risikoklassen, die Versicherte etwa bei der Behandlung von Erkrankungen oder dem Ausgleich von Beeinträchtigungen unterstützen können 4. Auch die Chutex-Produkte sind kein Medizinprodukt.
Daraus folgt für Sie: Die Zahlen sind Schätzungen für den Verlauf, keine Diagnose. Menschen mit Herzschrittmacher sollen Körperanalysewaagen nicht nutzen; deutsche medizinische Fachgesellschaften raten laut AOK zum Verzicht 7, und die Stiftung Warentest sagt dasselbe für Schwangere und Menschen mit Herzschrittmacher 1.
So nutzen Sie die App sinnvoll
- Immer dieselbe Waage verwenden, denn jedes Gerät rechnet mit einer eigenen Formel 7.
- Immer zur gleichen Tageszeit und in möglichst ähnlichem Zustand messen 7.
- Die Kurve über Wochen lesen und Tageswerte ignorieren; Fachleute empfehlen laut AOK, die Ergebnisse vor allem als Trend zu sehen 7.
- Den Taillenumfang als zweite Messung führen, mit dem Maßband statt mit Strom.
- Bei Werten, die Sie beunruhigen, nicht die App fragen, sondern die Hausarztpraxis.
Was die einzelnen Werte (Muskelmasse, Körperwasser, Stoffwechselalter) bedeuten, erklärt der Ratgeber Körperanalysewaage: Werte verstehen. Zur Elektrodenfrage, also ob Handsensoren etwas bringen, gibt es einen eigenen Ratgeber: Körperfettwaage mit Handsensoren. Die Genauigkeit der Bioimpedanz allgemein beschreibt der Ratgeber BIA-Waagen: wie genau sind die Werte?.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Eine App ersetzt keine Untersuchung. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt,
- wenn Sie einen Herzschrittmacher oder Defibrillator tragen oder schwanger sind und wissen möchten, ob eine Körperanalysewaage für Sie infrage kommt 1,7;
- wenn Ihre Werte über Wochen in eine Richtung laufen, die Sie beunruhigt, etwa starke Gewichtsveränderungen ohne erkennbaren Grund;
- wenn Sie Vorerkrankungen haben und Ihr Gewicht verändern möchten.
Rechner zum Thema
- BMI-Rechner berechnet den BMI direkt im Browser, ohne Konto und ohne Datenübertragung.
- Körperfettanteil berechnen für eine Schätzung aus Maßen, ohne Waage und ohne App.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Körperfettwaage mit App?
Nicht unbedingt. Die Stiftung Warentest nennt eine Waage ohne App für weniger technikaffine Menschen als mögliche bessere Wahl, weil die Einrichtung mitunter kompliziert ist; die App bietet dafür Visualisierung und einen Überblick über die langfristige Entwicklung 1.
Macht die App die Messung genauer?
Die Elektrodenmessung findet an der Waage statt; die App ändert sie nicht. Bei drei Smart Scales stimmte das Gewicht gut, die Fettmasse lag aber im Median 2,2 bis 4,4 kg unter dem DEXA-Wert 5.
Werden meine Daten in die Cloud geschickt?
Das hängt vom Anbieter ab und steht in seiner Datenschutzerklärung. Die Stiftung Warentest hat bei App-gesteuerten Waagen den Datenstrom untersucht 1. Der BfDI wies 2016 darauf hin, dass viele Probleme vermeidbar wären, wenn Daten lokal auf dem Smartphone blieben 2.
Kann ich meine Daten löschen lassen?
Nach der DSGVO haben Sie das Recht auf Löschung Ihrer personenbezogenen Daten (Artikel 17) und ein Auskunftsrecht (Artikel 15) 3. Wenden Sie sich dafür an den Anbieter der App.
Funktioniert die Waage mit Apple Health oder Google Fit?
Die Stiftung Warentest führt auf, welche Waagen mit Gesundheits-Apps wie Apple Health oder Google Fit kompatibel sind 1. Prüfen Sie die Angabe des Herstellers für das Modell und die App-Version.
Ist eine Waagen-App eine „App auf Rezept“?
Nein, sofern sie als Wellness-Anwendung angeboten wird. Eine DiGA ist laut BfArM ein digitales Medizinprodukt niedriger Risikoklasse, was bei einer Wellness-App nicht der Fall ist 4. Chutex-Produkte sind keine Medizinprodukte.
Quellen
- Körperfettwaagen im Test (test 10/2024), Stiftung Warentest. Abgerufen am 19. Oktober 2026. Frei lesbarer Teil; Ergebnistabellen hinter der Bezahlschranke nicht ausgewertet.
- Pressemitteilung 19/2016: Datenschutz bei Gesundheits-Apps und Wearables mangelhaft, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Abgerufen am 19. Oktober 2026. Stand 2016, vor Geltung der DSGVO.
- Meine Rechte, die Betroffenenrechte, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Digitale Gesundheits- und Pflegeanwendungen (DiGA, DiPA), BfArM. Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Accuracy of Smart Scales on Weight and Body Composition: Observational Study, Frija-Masson et al., JMIR mHealth and uHealth 2021; 9(4): e22487 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Assessing the reliability and cross-sectional and longitudinal validity of fifteen bioelectrical impedance analysis devices, Siedler et al., British Journal of Nutrition 2023; 130(5): 827-840 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
- Körperfettwaage: Wie sie funktioniert und wann sie sinnvoll ist, AOK. Abgerufen am 19. Oktober 2026