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Körperzusammensetzung und Gewicht

Kaloriendefizit berechnen: Beispiel, Tempo und Grenzen

Ein Kaloriendefizit entsteht, wenn Sie weniger Energie aufnehmen, als Sie verbrauchen. Bei Übergewicht und Adipositas nennt der Leitfaden Ernährungstherapie ein Defizit von 500 bis 600 kcal pro Tag 1; die AOK ordnet 500 kcal etwa einem Viertel bis einem halben Kilo pro Woche zu 4. Ausgangspunkt ist Ihr Gesamtumsatz.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 500 bis 600 kcal pro Tag: Energiedefizit, das der Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis bei Übergewicht und Adipositas als Maßnahme nennt. 1
  • 5 bis 10 % des Ausgangsgewichts in 6 bis 12 Monaten: Gewichtsabnahme, die Ärztinnen und Ärzte laut Gesundheitsinformation.de je nach Ausgangsgewicht empfehlen. 3
  • Etwa 1 Jahr beträgt die Halbwertszeit der Gewichtsreaktion auf eine geänderte Energiezufuhr in einem Modell von Hall und Kollegen. 5
  • Ein Viertel bis ein halbes Kilo pro Woche: Abnahme, die die AOK einem Defizit von 500 kcal pro Tag zuordnet. 4
  • 9 bis 12 Stunden schnelles Gehen pro Woche wären nötig, um 500 kcal pro Tag allein über Bewegung zu verbrennen (AOK). 4

Was ist ein Kaloriendefizit?

Die Energiebilanz ist ausgeglichen, wenn die Energiezufuhr dem Energieverbrauch entspricht. Die Menge an Nahrungsenergie, die dafür benötigt wird, nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) den Energiebedarf 6. Ein Kaloriendefizit liegt vor, wenn Sie dauerhaft weniger essen, als Ihr Körper verbraucht. Die AOK beschreibt es so: Sie nehmen weniger Kalorien auf, als Ihr Körper benötigt 4.

Der Verbrauch setzt sich aus dem Ruheenergieverbrauch und dem Mehrverbrauch durch Bewegung zusammen. Die DGE rechnet: Ruheenergieverbrauch mal PAL-Wert ergibt den Gesamtenergieverbrauch 6. Wie das im Einzelnen geht, steht im Ratgeber Grundumsatz berechnen. Hier setzen wir bei diesem Gesamtumsatz an.

Der Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis, den die DGE auf ihrer Seite bereitstellt, hält zudem fest: Nicht die Zusammensetzung der Makronährstoffe, sondern das Energiedefizit sei für die Gewichtsreduktion ausschlaggebend, und alle Vollkostformen seien geeignet, wenn die Energiezufuhr eingeschränkt wird 1. Er richtet sich an Menschen mit Adipositas (BMI ab 30) oder mit Übergewicht und zusätzlichen Risiken wie übergewichtsbedingten Erkrankungen, einem erhöhten Taillenumfang oder hohem Leidensdruck 1.

Wie berechne ich mein Kaloriendefizit?

Der Weg besteht aus vier Schritten. Er ersetzt keine Beratung, gibt Ihnen aber eine nachvollziehbare Zahl statt einer Faustregel.

Vom Gesamtumsatz zur TageszufuhrVier Schritte: Ruheumsatz berechnen, mit dem PAL-Wert multiplizieren, das Defizit abziehen, das Ergebnis mit dem Ruheumsatz vergleichen.1RuheumsatzFormel der DGE mitGewicht, Alter,Geschlecht2Mal PALergibt denGesamtumsatz3Defizit abziehenzum Beispiel 500 kcal4GegenprobeZufuhr nicht unter demRuheumsatz
Rechenweg zum Kaloriendefizit. Eigene Darstellung nach den Fragen und Antworten der DGE zur Energiezufuhr und den Hinweisen der AOK.
  1. Ruheenergieverbrauch bestimmen. Die DGE-Formel für Frauen lautet (0,047 × Gewicht in kg − 0,01452 × Alter in Jahren + 3,21) × 239, für Männer kommt 1,009 vor der Multiplikation hinzu 6. Der Grundumsatz-Rechner nimmt Ihnen die Rechnung ab.
  2. Mit dem PAL-Wert multiplizieren. Für eine ausschließlich sitzende Tätigkeit ohne anstrengende Freizeit nennt die DGE 1,4 bis 1,5, mit regelmäßigem Sport kommen 0,3 hinzu 6.
  3. Das Defizit abziehen. Der Leitfaden nennt 500 bis 600 kcal pro Tag 1, die AOK empfiehlt, ein Minus von 500 Kalorien pro Tag anzustreben 4.
  4. Gegenprobe machen. Die AOK rät, den Grundumsatz zu decken, also die Energie, die der Körper dringend benötigt 4. Liegt die errechnete Zufuhr darunter, ist das Defizit zu groß gewählt.

Eine einfache Beispielrechnung ohne Personenbezug: Liegt der geschätzte Gesamtumsatz bei 2.300 kcal und Sie ziehen 500 kcal ab, bleiben 1.800 kcal Tageszufuhr. Die folgende Tabelle zeigt weitere Ausgangswerte.

Tageszufuhr bei einem Defizit von 500 oder 600 kcal
Geschätzter GesamtumsatzZufuhr bei 500 kcal DefizitZufuhr bei 600 kcal Defizit
2.000 kcal1.500 kcal1.400 kcal
2.300 kcal1.800 kcal1.700 kcal
2.600 kcal2.100 kcal2.000 kcal
3.000 kcal2.500 kcal2.400 kcal

Eigene Berechnung: Gesamtumsatz minus 500 bzw. 600 kcal. Der Gesamtumsatz ist eine Schätzung, kein Zielwert. Liegt die errechnete Zufuhr unter dem Ruheenergieverbrauch, ist das Defizit nach der AOK zu groß gewählt (siehe Gegenprobe) 4.

Ein durchgerechnetes Beispiel: wo das Defizit an eine Grenze stößt

Die DGE rechnet in ihren Fragen und Antworten eine Frau mit 60 kg und 40 Jahren vor: Ruheenergieverbrauch 1.302 kcal pro Tag, als Büroangestellte mit PAL 1,4 ein Gesamtverbrauch von rund 1.823 kcal pro Tag 6 (die DGE druckt 1.832; 1.302 mal 1,4 ergibt rechnerisch 1.823). Zieht man davon 500 kcal ab, bleiben rund 1.323 kcal, kaum mehr als der Ruheenergieverbrauch. Bei einem Defizit von 600 kcal wären es rund 1.223 kcal, also weniger als der Ruheenergieverbrauch.

Dasselbe Bild bei einer Frau mit 70 kg und 40 Jahren und PAL 1,4 (eigene Berechnung nach der DGE-Formel):

Beispiel: Frau, 70 kg, 40 Jahre, PAL 1,4
Größekcal pro Tag
Ruheenergieverbrauch1.415
Gesamtumsatz (mal 1,4)1.981
Zufuhr bei 500 kcal Defizit1.481
Zufuhr bei 600 kcal Defizit1.381 (unter dem Ruheenergieverbrauch)

Eigene Berechnung nach der Formel der DGE 6, gerundet. Schätzungen, keine persönliche Empfehlung.

Was das bedeutet: Bei geringer Alltagsaktivität liegt das Defizit rasch in der Nähe des Ruheenergieverbrauchs. Mehr Bewegung hebt den Gesamtumsatz und schafft Spielraum, ohne die Zufuhr weiter zu senken. Die AOK weist allerdings darauf hin, dass der Aufwand erheblich ist: Um 500 kcal pro Tag allein durch Bewegung zu verbrennen, müssten Sie etwa 9 bis 12 Stunden pro Woche schnell gehen 4. Beides zusammen, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung, wird deshalb am häufigsten empfohlen 3.

Wie groß darf das Defizit sein, und wie schnell geht es?

Die Quellen nennen keine Zusage, sondern Spannen. Sie stehen hier getrennt:

  • Leitfaden Ernährungstherapie: ein Energiedefizit von 500 bis 600 kcal pro Tag, Kostformen sollen über mindestens 3 bis 6 Monate zu einem Energiedefizit führen 1.
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Je nach Ausgangsgewicht empfehlen Ärztinnen und Ärzte eine Abnahme von 5 bis 10 % innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Um die Gesundheit zu verbessern, sei es nicht notwendig, den BMI auf einen bestimmten Wert zu senken 3.
  • AOK: Bei einem Minus von 500 Kalorien pro Tag ließen sich etwa ein Viertel bis ein halbes Kilo pro Woche abnehmen 4.

Die Abnahme verläuft nicht gleichmäßig. Eine Modellrechnung von Hall und Kollegen (The Lancet, 2011) beschreibt, dass die Reaktion des Körpergewichts auf eine Änderung der Energiezufuhr langsam ist, mit Halbwertszeiten von etwa einem Jahr. Wer mehr Körperfett hat, verliert bei gleicher Änderung der Zufuhr erwartungsgemäß mehr und braucht länger, um sein neues Gleichgewicht zu erreichen 5.

Im Netz wird häufig eine feste Zahl von Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht genannt, aus der sich „X Kilo in Y Wochen“ errechnen lassen. Die genannten Quellen enthalten eine solche Zahl nicht, und die Modellrechnung von Hall und Kollegen zeigt, dass der Körper sich auf die veränderte Zufuhr einstellt. Eine Prognose in Wochen ist deshalb nicht seriös möglich.

Wer sollte kein Kaloriendefizit anstreben?

Ein Defizit ist keine Maßnahme für jede Lebenssituation. Die Quellen nennen folgende Fälle:

  • Schwangerschaft: Die Barmer schreibt, Sie sollten während einer Schwangerschaft keinesfalls eine gewichtsreduzierende Diät anstreben, dies berge gesundheitliche Risiken für Sie und Ihr Ungeborenes 8. Bei Sorgen wegen der Gewichtszunahme sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.
  • Stillzeit: Fasten ist laut AOK für Stillende tabu 9; die DGE nennt für ausschließliches Stillen in den ersten 4 bis 6 Monaten einen um 500 kcal pro Tag erhöhten Richtwert 6. Ob und wie Sie in der Stillzeit Gewicht reduzieren, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  • Essstörungen und Untergewicht: Die AOK stellt im Beitrag zum Fasten klar, dass Menschen mit einem Untergewichtsproblem oder mit einer psychischen Erkrankung wie einer Essstörung nicht fasten dürfen 9. Unsere Einordnung: Eine Gewichtsabnahme sollte in dieser Lage nur mit ärztlicher Begleitung besprochen werden.
  • Kinder und Jugendliche: Fasten ist laut AOK für Kinder und Jugendliche nicht geeignet 9. Ob ein Gewicht bei einem Kind zu hoch ist, wird über Perzentilen (Wachstumskurven) beurteilt, nicht über die Erwachsenentabelle 2 (mehr im Ratgeber BMI bei Kindern und Jugendlichen).

Auch bei Vorerkrankungen und Medikamenten gilt: erst mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Gesundheitsinformation.de weist darauf hin, dass Übergewicht eine Erkrankung als Ursache haben kann, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, und dass es wichtig ist, solche möglichen Ursachen zu prüfen 3.

Wie kontrolliere ich, ob es passt?

Die DGE bezeichnet das aktuelle Körpergewicht als entscheidenden Kontrollparameter für die Energiezufuhr; bei Abweichungen vom Normbereich sind individuelle Anpassungen der Richtwerte notwendig 7. Das heißt praktisch: Rechnen Sie, beobachten Sie Ihr Gewicht über mehrere Wochen und passen Sie die Zufuhr in kleinen Schritten an, statt jeden Tag zu bewerten. Was Waagenwerte aussagen, erklärt der Ratgeber Körperanalysewaage-Werte verstehen.

Wer wissen möchte, wo sein Gewicht im Verhältnis zur Größe liegt, findet das in der BMI-Tabelle; zum Thema Bauchfett siehe Bauchfett verlieren. Eine Orientierung für Wunschgewichte bietet der Ratgeber Idealgewicht berechnen. Und was den Energieumsatz im Alltag tatsächlich beeinflusst, steht im Ratgeber Stoffwechsel anregen.

Wann ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll ist

Das Kaloriendefizit ersetzt keine Beratung. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt,

  • wenn Sie schwanger sind, stillen, an einer Essstörung leiden oder Untergewicht haben: In diesen Lebenssituationen raten die genannten Quellen von Diät beziehungsweise Fasten ab 8,9;
  • wenn Sie Vorerkrankungen haben oder regelmäßig Medikamente nehmen: Gewichtszunahme kann eine Erkrankung als Ursache haben, die geprüft werden sollte 3;
  • wenn Sie mit Formulaprodukten oder sehr niedriger Zufuhr arbeiten möchten: Der Leitfaden Ernährungstherapie sieht das nur zeitlich begrenzt und unter Einbindung ärztlicher Expertise vor 1.

Rechner zum Thema

  • Grundumsatz berechnen liefert den Ausgangswert für den Gesamtumsatz, direkt im Browser und ohne Datenübertragung.
  • BMI-Rechner ordnet Ihr Gewicht zur Körpergröße ein.

Häufige Fragen

Wie viel Kaloriendefizit ist sinnvoll?

Der Leitfaden Ernährungstherapie nennt bei Übergewicht und Adipositas ein Energiedefizit von 500 bis 600 kcal pro Tag 1; die AOK empfiehlt ein Minus von 500 Kalorien pro Tag 4. Ob das für Sie passt, hängt von Gesamtumsatz, Gesundheitszustand und Zielen ab.

Wie berechne ich mein Kaloriendefizit in drei Schritten?

Erstens den Ruheenergieverbrauch nach der DGE-Formel bestimmen, zweitens mit dem PAL-Wert zum Gesamtumsatz multiplizieren, drittens 500 bis 600 kcal abziehen 1,6. Prüfen Sie anschließend, dass die Zufuhr nicht unter dem Ruheenergieverbrauch liegt 4.

Wie viele Kilo nimmt man pro Woche ab?

Die AOK ordnet einem Defizit von 500 kcal pro Tag etwa ein Viertel bis ein halbes Kilo pro Woche zu 4. Eine genaue Prognose gibt es nicht: Das Gewicht reagiert langsam und hängt vom Ausgangsgewicht ab 5. Gesundheitsinformation.de nennt 5 bis 10 % in 6 bis 12 Monaten als ärztliche Empfehlung 3.

Darf ich weniger essen, als mein Grundumsatz beträgt?

Die AOK rät, den Grundumsatz zu decken 4. Sehr niedrige Zufuhr, etwa mit Formulaprodukten, sieht der Leitfaden Ernährungstherapie nur zeitlich begrenzt und unter Einbindung ärztlicher Expertise vor 1. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Reicht Sport für ein Kaloriendefizit?

Allein über Bewegung ist ein Defizit von 500 kcal pro Tag aufwendig: Die AOK nennt etwa 9 bis 12 Stunden schnelles Gehen pro Woche 4. Meist wird die Kombination aus Ernährungsumstellung und mehr Bewegung empfohlen 3.

Spielt es eine Rolle, ob ich Fett oder Kohlenhydrate spare?

Nach dem Leitfaden Ernährungstherapie ist nicht die Makronährstoffzusammensetzung, sondern das Energiedefizit für die Gewichtsreduktion ausschlaggebend; verschiedene Strategien sind möglich 1.

Was ist an Crashdiäten problematisch?

Die AOK nennt sie nicht empfehlenswert und verweist auf Untersuchungen, nach denen Diäten häufig nur zu einer vorübergehenden Abnahme (Jo-Jo-Effekt) führen 4; der Leitfaden Ernährungstherapie rät von extrem einseitigen Ernährungsformen ab 1.

Wer sollte kein Kaloriendefizit anstreben?

Schwangere sollten keinesfalls eine gewichtsreduzierende Diät anstreben 8; Menschen mit Essstörung oder Untergewichtsproblem dürfen laut AOK nicht fasten 9. Bei Kindern und Jugendlichen gehört die Frage in ärztliche Hände.

Quellen

  1. Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP), Abschnitt 4.1 Übergewicht bzw. Adipositas, Hauner H et al., Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44: 384-419, bereitgestellt von der DGE. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Der Leitfaden ist ausdrücklich keine Richtlinie im rechtlichen Sinn.
  2. Übergewicht und Adipositas, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Starkes Übergewicht (Adipositas), Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  4. Kaloriendefizit: So hilft es beim Abnehmen, AOK. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  5. Quantification of the effect of energy imbalance on bodyweight, Hall KD et al., The Lancet 2011; 378(9793):826-837 (PubMed). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. Ausgewählte Fragen und Antworten zur Energiezufuhr, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. Referenzwerte Energie, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Stand Ableitung 2015. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Schwangerschaft und Gewicht: Wie viel ist normal?, Barmer. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. Ist Fasten zum Abnehmen geeignet?, AOK. Abgerufen am 16. Oktober 2026