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Selbstständig im Alter

Angst vor einem Sturz im Alter: Was dahinter steckt und was Studien zeigen

Sturzangst ist eine anhaltende Sorge zu stürzen, die dazu führt, Aktivitäten zu meiden, die man noch ausführen könnte; sie kann auch ohne früheren Sturz auftreten 4. Wer sich aus Angst weniger bewegt, hat laut IQWiG ein größeres Sturzrisiko 2. Das BIÖG rät, Ängste in der Hausarztpraxis anzusprechen 1.

Das Wichtigste in Zahlen

  • Cochrane 2014 (30 Studien, 2.878 Teilnehmende): Übungen verringern die Sturzangst unmittelbar danach wahrscheinlich in begrenztem Umfang (24 Studien mit Daten dazu). 5
  • 11 Studien mit 2.357 Teilnehmenden: Kognitive Verhaltenstherapie mit oder ohne Übungen verbessert die Sturzangst wahrscheinlich unmittelbar danach (Cochrane 2023). 4
  • 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren stürzten 2022 mindestens einmal innerhalb von 12 Monaten (RKI, Selbstangaben). 3
  • 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause enden laut IQWiG mit einer Verletzung wie Knochenbruch, größerer Platzwunde oder Kopfverletzung. 2

Was ist Sturzangst, und kommt sie auch ohne früheren Sturz vor?

Die Cochrane-Übersicht von 2023 beschreibt Sturzangst als eine anhaltende Sorge zu stürzen, die dazu führt, dass jemand Aktivitäten meidet, die er oder sie noch ausführen könnte. Sie sei bei älteren Menschen verbreitet und könne unabhängig von früheren Stürzen auftreten 4. Das BIÖG sagt es ähnlich: Manchmal kann die Sorge zu stürzen zu einer schwerwiegenden Angst werden. Oft ist sie mit einem vorausgegangenen Sturz und den damit verbundenen Erinnerungen verknüpft, aber auch Menschen, die bisher nicht gestürzt sind, können Ängste entwickeln 1.

Das IQWiG beschreibt, worum sich viele Betroffene sorgen: dass sie stürzen, sich einen Knochen brechen und dann Pflege brauchen. Es nennt diese Sorge verständlich 2. Cochrane beschreibt Sturzangst als häufig bei älteren Menschen 4; eine Zahl für Deutschland nennen IQWiG, BIÖG und RKI auf den genannten Seiten nicht.

Wie groß ist das Risiko, vor dem man sich fürchtet?

Die Angst hat einen realen Hintergrund, und zugleich ist das Bild nicht einseitig. Beide Seiten stehen nebeneinander:

  • Nach dem RKI waren 2022 in Deutschland 23,8 % der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal innerhalb von 12 Monaten gestürzt (Selbstangaben) 3.
  • Meist hat ein Sturz nur eine Prellung oder Abschürfung zur Folge. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause kommt es laut IQWiG jedoch zu Verletzungen wie Knochenbrüchen, größeren Platzwunden oder Kopfverletzungen 2.

Beides stimmt gleichzeitig. Eine Aussage über das persönliche Risiko lässt sich daraus nicht ableiten; dafür gibt es die Einschätzung durch die Hausarztpraxis, wie sie der Ratgeber Sturzrisiko erkennen beschreibt.

Warum die Angst selbst zum Problem werden kann

Das BIÖG beschreibt, wie sich Sturzangst auswirken kann: Die Ängste führen dazu, dass man unsicherer wird und das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten verliert. In der Folge werden die eigene Mobilität eingeschränkt und Aktivitäten reduziert, beispielsweise Spaziergänge. Manchmal besteht auch die Sorge, die eigene Unabhängigkeit zu verlieren 1. Das RKI nennt als mögliche Folge die Beschränkung körperlicher Aktivität und verringerte soziale Kontakte 3. Und das IQWiG hält fest: Wer sich aus Angst vor einem Sturz weniger bewegt, hat ein größeres Risiko zu stürzen als jemand, der täglich viel zu Fuß unterwegs ist 2.

Wie Sorge und Bewegungsmangel zusammenhängen könnenVier Schritte: Sorge zu stürzen, Unsicherheit und weniger Selbstvertrauen, weniger Bewegung und Kontakte, größeres Sturzrisiko.1Sorge zu stürzenmit oder ohne früherenSturz2UnsicherheitwenigerSelbstvertrauen3Weniger Bewegungweniger Spaziergänge,weniger Kontakte4Größeres Risikolaut IQWiG bei wenigerBewegung
Darstellung nach BIÖG, RKI und IQWiG 1,2,3. Die Quellen beschreiben die Schritte einzeln; nicht jeder Mensch durchläuft alle.

Das IQWiG betont deshalb, gerade für ältere Menschen sei es wichtig, so gut es geht mobil zu bleiben, auch um sich möglichst viel Unabhängigkeit zu bewahren 2.

Was zeigen Studien zu Übungen und zu kognitiver Verhaltenstherapie?

Zwei Cochrane-Übersichten haben untersucht, ob sich die Sturzangst bei zu Hause lebenden älteren Menschen verringern lässt. Die erste betrachtet Übungen 5, die zweite die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Cochrane definiert sie als Gesprächstherapie, die hilft, ungünstige Gedanken und ungünstiges Verhalten zu verändern; in 10 von 13 untersuchten Vergleichen wurde sie jedoch mit Übungen kombiniert, nur in 3 war es KVT allein 4.

Zwei Cochrane-Übersichten zur Sturzangst im Vergleich
Übungen (Kendrick et al., 2014)KVT mit oder ohne Übungen (Lenouvel et al., 2023)
Studien und Teilnehmende30 Studien, 2.878 Teilnehmende, mittleres Alter 68 bis 85 Jahre; Recherche bis 201311 Studien in der Auswertung, 2.357 Teilnehmende, mittleres Alter 73 bis 83 Jahre
Was untersucht wurdeTai Chi, Yoga, Gleichgewichtstraining, Kraft- und Widerstandstraining; in Gruppen oder einzeln, mit oder ohne Anleitung13 Vergleiche, davon 10 mit Übungen und 3 nur mit KVT; meist Gruppen von 5 bis 10 Personen, 6 bis 156 Stunden insgesamt
Wirkung unmittelbar danachKleine bis mäßige Verringerung der Sturzangst (SMD 0,37; 24 Studien, 1.692 Teilnehmende)Wahrscheinlich Verbesserung (SMD −0,23)
Wirkung bis sechs Monate danachSehr niedrige Sicherheit: womöglich eine kleine Verringerung (4 Studien), statistisch nicht gesichertMöglicherweise anhaltend (SMD −0,24; 8 Studien, 1.784 Teilnehmende; sehr niedrige Sicherheit im Ergebnisteil, im Fazit der Autoren als niedrig bezeichnet)
Wirkung über sechs Monate hinausZu wenig Evidenz, um sie über das Ende des Programms hinaus zu beurteilen (3 Studien, sehr niedrige Sicherheit)Wahrscheinlich anhaltend (SMD −0,28; 5 Studien, 1.185 Teilnehmende; mäßige Sicherheit)
Wirkung auf StürzeProgramme erhöhten das Risiko oder die Häufigkeit von Stürzen nicht (sehr niedrige Sicherheit)Unklar, ob die Zahl der Stürze sinkt (sehr niedrige Sicherheit)
Sicherheit der EvidenzNiedrig für die unmittelbare Wirkung, sehr niedrig für spätere Zeitpunkte und StürzeMäßig für die unmittelbare Wirkung auf die Sturzangst

SMD: standardisierter Mittelwertunterschied; Werte beider Übersichten sind wegen verschiedener Fragebögen nicht direkt vergleichbar. Die Übungs-Übersicht ist älter (Recherche 2013). Quellen: Cochrane Database of Systematic Reviews 2014 und 2023, Abstracts.

Vier Einschränkungen gehören dazu. Erstens waren alle Studien der Übungs-Übersicht anfällig für Verzerrungen, weil weder Teilnehmende noch Auswertende verblindet werden konnten und die Angst per Selbstauskunft erfasst wurde 5; auch in der KVT-Übersicht hatten alle Studien ein ernstes Verzerrungsrisiko 4. Zweitens sind die Effekte klein bis mäßig, nach den Angaben der Übersichten nimmt ein Programm die Angst nicht einfach weg 4,5. Drittens unterschieden sich die Studien der KVT-Übersicht stark (erhebliche Heterogenität, verschiedene Fragebögen) 4. Viertens wurde in der KVT-Übersicht von keiner Studie über unerwünschte Wirkungen berichtet; die Autorinnen und Autoren regen an, sie künftig gezielt zu untersuchen 4.

Die Übungsprogramme wurden in Studien erprobt, zum Teil in Gruppen, zum Teil einzeln, mit oder ohne Anleitung vor Ort 5. Diese Seite ist keine Anleitung, empfiehlt keine Behandlung und ersetzt kein Gespräch in der Praxis; ob Übungen, Physiotherapie oder eine psychologische Behandlung für Sie infrage kommen, klären Sie dort.

Was kann ich tun, und wer hilft?

Das BIÖG nennt als ersten Schritt: Wenn bei Ihnen Ängste bestehen, sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt an. Vielleicht können physiotherapeutische oder psychologische Behandlungen unterstützen, und ein gezieltes Training für mehr Gleichgewicht und Kraft kann helfen, die körperliche Stabilität zu erhalten oder wiederherzustellen 1. Daraus ergibt sich ein Ablauf, den Sie in Ihrem Tempo gehen können:

  1. Die Sorge in der Hausarztpraxis ansprechen. Das BIÖG rät außerdem, Stürze oder beginnende Unsicherheit dort zu melden, damit gemeinsam mögliche Ursachen festgestellt werden 1.
  2. Beweglich bleiben, soweit es geht: Laut IQWiG ist es wichtig, so gut es geht mobil zu bleiben 2.
  3. Gleichgewicht und Kraft trainieren, mindestens zweimal, besser dreimal pro Woche, wie es das BIÖG für ältere Menschen empfiehlt (zur Sturzprävention; gegen die Angst selbst zeigen die Studien oben nur eine begrenzte Wirkung); das Vorhaben vorher mit der Hausarztpraxis besprechen, besonders wenn Sie bisher nicht regelmäßig trainiert haben 8. Kurse bieten laut BIÖG Sportvereine oder Physiotherapiezentren an 8. Übungen und Beispiele stehen im Ratgeber Gleichgewichtstraining für Senioren.
  4. Die Wohnung auf Stolperfallen prüfen: Das IQWiG nennt das eine einfache Maßnahme gegen Stürze 2. Der Ratgeber Stolperfallen in der Wohnung beseitigen geht Raum für Raum vor.
  5. Nach einem Sturz die Ursache ärztlich abklären lassen, auch ohne sichtbare Verletzung 6. Die ersten Schritte beschreibt der Ratgeber Sturz im Alter: Was tun?.

Weitere Maßnahmen gegen Stürze, von Sehen und Medikamenten bis zum Training, fasst der Ratgeber Sturzprävention im Alter zusammen.

Wie sprechen Angehörige das Thema an?

Wenn Sie bei einer nahestehenden Person bemerken, dass sie sich unsicher bewegt oder öfter stürzt, rät das BIÖG: Sprechen Sie Ihre Sorgen offen an 7. Sie können außerdem bei der Suche nach Bewegungskursen unterstützen, in denen Gleichgewicht und Kraft trainiert werden 7.

Schutzausrüstung: kein Thema dieser Studien

Die beiden Cochrane-Übersichten untersuchen Übungen und kognitive Verhaltenstherapie. Schutzausrüstung wie Hüftprotektoren oder Airbag-Westen kommt darin nicht vor; ob sie die Angst verändert, lässt sich aus diesen Quellen deshalb nicht beantworten. Was solche Produkte tun und was nicht, erklären der Vergleich Sturzschutz im Alter und der Ratgeber Hüftprotektor. Eine Entscheidung dafür oder dagegen eilt nicht; sie lässt sich in Ruhe und im Gespräch mit der Hausarztpraxis treffen.

Wann ärztlichen Rat suchen?

Diese Seite ersetzt keine Untersuchung. Sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis,

  • wenn die Sorge zu stürzen Sie im Alltag bestimmt oder Sie Aktivitäten meiden, die Sie eigentlich ausführen könnten: Das BIÖG rät bei Ängsten, die Hausärztin oder den Hausarzt anzusprechen 1;
  • wenn Sie gestürzt sind oder beginnen, sich unsicher zu fühlen 1;
  • nach einem Sturz, auch ohne sichtbare Verletzung: Die DAK rät, ärztlich abklären zu lassen, warum es dazu kam 6.

Häufige Fragen

Ist die Angst vor einem Sturz im Alter verbreitet?

Cochrane beschreibt Sturzangst als häufig bei älteren Menschen 4; das IQWiG nennt die Sorge zu stürzen, sich einen Knochen zu brechen und dann Hilfe zu brauchen, verständlich 2. Eine Prozentzahl für Deutschland nennen die zitierten Seiten nicht.

Kann man Sturzangst haben, ohne je gestürzt zu sein?

Ja, laut BIÖG können auch Menschen, die bisher nicht gestürzt sind, Ängste entwickeln; oft ist die Angst aber mit einem früheren Sturz verknüpft 1. Cochrane nennt sie ebenfalls unabhängig von früheren Stürzen möglich 4.

Was zeigen Studien zu Übungen bei Sturzangst?

Eine Cochrane-Übersicht (2014; 30 Studien, davon 24 mit Daten zur unmittelbaren Wirkung) kam zu dem Schluss, dass Übungen die Sturzangst unmittelbar danach wahrscheinlich in begrenztem Umfang verringern, ohne Risiko oder Häufigkeit von Stürzen zu erhöhen; für die Zeit danach reicht die Evidenz nicht aus. Die Sicherheit der Evidenz ist niedrig, für spätere Zeitpunkte sehr niedrig 5.

Was ist kognitive Verhaltenstherapie bei Sturzangst?

Cochrane definiert sie als Gesprächstherapie, die hilft, ungünstige Gedanken und ungünstiges Verhalten zu verändern; in den meisten untersuchten Vergleichen (10 von 13) wurde sie zusammen mit Übungen angeboten 4. In 11 Studien verbesserte sie die Sturzangst wahrscheinlich unmittelbar danach (mäßige Sicherheit). Der Effekt hielt nach 5 Studien wahrscheinlich auch über sechs Monate hinaus an (mäßige Sicherheit); für den Zeitraum bis sechs Monate ist die Sicherheit sehr niedrig. Ob die Therapie die Zahl der Stürze senkt, ist unklar 4. Ob sie für Sie infrage kommt, klärt die Praxis.

Soll ich weniger rausgehen, damit nichts passiert?

Das IQWiG sagt das Gegenteil: Wer sich aus Angst vor einem Sturz weniger bewegt, hat ein größeres Risiko zu stürzen als jemand, der täglich viel zu Fuß unterwegs ist 2. Besprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis, welche Bewegung für Sie passt.

Wann sollte ich mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen?

Wenn Sie Ängste haben, wenn Sie gestürzt sind oder sich unsicher zu fühlen beginnen 1, und nach einem Sturz auch ohne sichtbare Verletzung 6.

Verringert Elder die Angst vor einem Sturz?

Dazu liegt uns keine Studie vor, und Chutex macht dazu keine Aussage. Erkennt Elder einen beginnenden Sturz, mindert der Airbag die Aufprallkraft an Kopf, Rücken, Becken und Hüften; Elder verhindert keine Stürze und ruft keinen Notruf. Chutex verspricht keine Kostenübernahme durch Kranken- oder Pflegekasse.

Quellen

  1. Wie Sie Sturzrisiken vorbeugen können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  2. Stürze bei älteren Menschen (Stand 23.03.2022), Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Abgerufen am 19. Oktober 2026
  3. Stürze (ab 65 Jahre), Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  4. Cognitive behavioural therapy (CBT) with and without exercise to reduce fear of falling in older people living in the community, Lenouvel E et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2023; 11: CD014666 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
  5. Exercise for reducing fear of falling in older people living in the community, Kendrick D et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2014; (11): CD009848 (PubMed). Abgerufen am 19. Oktober 2026
  6. Sturzprophylaxe im Alter: Maßnahmen, Übungen und Risikofaktoren, DAK-Gesundheit. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  7. Was Sie als Angehörige tun können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 19. Oktober 2026
  8. Wie Sie Balance und Kraft trainieren können, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA), Portal Gesund & aktiv älter werden. Abgerufen am 19. Oktober 2026

Diese Informationen ersetzen nicht den Rat einer medizinischen Fachperson. Chutex-Produkte sind keine Medizinprodukte; Elder ist eine persönliche Schutzausrüstung.

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