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Herz, Schlaf und Erholung

Tiefschlaf: Anteil, Alter, Einflüsse und wie verlässlich Tracker ihn messen

Tiefschlaf ist die Schlafphase, in der man durch Geräusche kaum noch zu stören ist 1. Erwachsene verbringen typischerweise 10 bis 20 Prozent der Nacht darin; eine einheitliche Normzahl gibt es nach der Sleep Foundation nicht 3. Er tritt vor allem in der ersten Nachthälfte auf 2 und nimmt mit dem Alter ab 5.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 10 bis 20 Prozent der Nacht verbringen Erwachsene typischerweise im Tiefschlaf; es gibt keinen Konsens über eine einzige Normzahl. 3
  • Der Tiefschlaf tritt in längeren Abschnitten in der ersten Nachthälfte auf. 2
  • Alkohol erhöhte in der ersten Nachthälfte den Anteil des Tiefschlafs, störte aber den Schlaf in der zweiten Hälfte (Übersichtsarbeit 2013). 6
  • Abendlicher Sport erhöhte den Tiefschlafanteil im Mittel um 1,3 Prozentpunkte (Metaanalyse mit 23 Studien). 8

Was ist Tiefschlaf?

Tiefschlaf ist die dritte Phase des Non-REM-Schlafs, in der Fachsprache N3. Gesundheitsinformation.de, das Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), beschreibt sie als Phase, in der der Schlaf zum Beispiel durch Geräusche nicht mehr so schnell gestört werden kann 1. Andere Namen für dieselbe Phase sind Slow-Wave-Schlaf, Deltaschlaf oder SWS 4.

Das US-amerikanische National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) beschreibt Stadium 3 als die Phase tiefen Schlafs, die man braucht, um sich morgens erholt zu fühlen. Sie tritt in längeren Abschnitten in der ersten Nachthälfte auf. Herzschlag und Atmung sind dann auf ihrem niedrigsten Stand der Nacht, die Muskeln sind entspannt, und es kann schwerfallen, jemanden zu wecken 2.

Wer aus dem Tiefschlaf geweckt wird, fühlt sich oft benommen: Die Sleep Foundation schreibt, dass eine Benommenheit auftreten kann, die bis zu einer Stunde anhält. Fachleute sprechen von Schlafträgheit 3. Das erklärt, warum der Wecker mitten in der Nacht anders wirkt als am Morgen. Wie die Phase in den Ablauf der Nacht passt, steht im Ratgeber Schlafphasen.

Wie viel Tiefschlaf ist normal?

Eine einzige „richtige“ Zahl gibt es nicht. Die Sleep Foundation schreibt, Erwachsene verbrächten typischerweise 10 bis 20 Prozent der Nacht im Tiefschlaf, hält aber fest, dass es keinen Konsens über eine einzelne konkrete Zahl gibt, die normal oder ideal wäre 3. Außerdem sei es ohne Nacht im Schlaflabor schwer, genau zu wissen, wie viel Zeit man in jeder Schlafphase verbringt 3. Im Durchschnitt dauert das Stadium N3 pro Schlafzyklus 20 bis 40 Minuten 4.

Wie viele Minuten das in der Nacht sind, hängt von der Schlafdauer ab. Die folgende Tabelle rechnet die Spanne von 10 bis 20 Prozent für übliche Schlafzeiten aus. Sie zeigt, wie breit das Feld ist, und ist ausdrücklich kein Ziel.

Minuten Tiefschlaf bei 10 bis 20 Prozent der Nacht (berechnet)
Schlafdauer10 Prozent20 Prozent
6 Stunden36 Minuten72 Minuten
7 Stunden42 Minuten84 Minuten
8 Stunden48 Minuten96 Minuten
9 Stunden54 Minuten108 Minuten

Eigene Berechnung: Schlafdauer in Minuten mal 0,10 bzw. 0,20, nach der Spanne der Sleep Foundation 3. Die Quelle selbst nennt für sieben bis neun Stunden Schlaf etwa 40 bis 110 Minuten.

Minuten Tiefschlaf je nach SchlafdauerWaagerechte Skala von 0 bis 120 Minuten. Bei 6 Stunden Schlaf entspricht 10 bis 20 Prozent 36 bis 72 Minuten, bei 7 Stunden 42 bis 84, bei 8 Stunden 48 bis 96, bei 9 Stunden 54 bis 108.03060901206 Stunden Schlaf36 bis 72 min7 Stunden Schlaf42 bis 84 min8 Stunden Schlaf48 bis 96 min9 Stunden Schlaf54 bis 108 minMinuten Tiefschlaf
Rechnerische Spanne von 10 bis 20 Prozent der Schlafzeit nach Sleep Foundation. Eigene Darstellung, kein Zielwert.

Die Sleep Foundation rät deshalb, sich weniger an einer Zahl als am eigenen Gefühl zu orientieren: Wenn Sie sich morgens und tagsüber erholt und wach fühlen, deutet das darauf hin, dass Sie genug Tiefschlaf bekommen 3. Das passt zur Definition guten Schlafs bei Gesundheitsinformation.de, die vom Erleben ausgeht: leicht einschlafen, nachts nicht ganz wach werden, nicht zu früh aufwachen und sich morgens erholt fühlen 1.

Wird der Tiefschlaf im Alter weniger?

Ja, die Richtung ist in den Quellen eindeutig. Kinder und Jugendliche brauchen den meisten Tiefschlaf, dann nimmt er mit der Zeit und bis ins höhere Alter ab 3. Gesundheitsinformation.de formuliert, dass kleine Kinder und ältere Menschen einen leichteren Schlaf haben, weil sich die Dauer der Tiefschlafphasen im Laufe des Lebens verändert 1.

Die Metaanalyse von Ohayon und Kolleginnen und Kollegen (Zeitschrift Sleep, 2004) fasste 65 Studien mit 3.577 gesunden Menschen von 5 bis 102 Jahren zusammen. Der prozentuale Anteil des Tiefschlafs hing negativ mit dem Alter zusammen, bei Erwachsenen nahm er mit dem Alter ab 5. Zugleich zeigte sich, wie stark das Ergebnis vom Auswahlverfahren abhing: Die Effektgrößen änderten sich deutlich damit, wie gründlich die Teilnehmenden auf Erkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Schlafapnoe geprüft worden waren 5.

Konkrete Prozentwerte je Altersgruppe nennen die ausgewerteten Quellen nicht; Tabellen dazu, wie sie auf Seiten von Matratzenherstellern und Schlafportalen kursieren, lassen sich nicht auf Studiendaten zurückführen. Wer sich mit 60 mit einem niedrigeren Tiefschlafanteil als mit 25 vergleicht, vergleicht deshalb keine Defizite, sondern Lebensphasen 3,5.

Was beeinflusst den Tiefschlaf?

Zu den Einflüssen gibt es Studien, aber keine einfachen Rezepte. Hier steht, was Übersichtsarbeiten für gesunde Erwachsene berichten; feste Zimmertemperaturen oder Geräuschangaben gehören nicht dazu, weil die Quellen sie nicht belegen.

Alkohol. Eine Übersichtsarbeit im Fachblatt Alcoholism: Clinical and Experimental Research (Ebrahim et al., 2013) wertete die bekannten Studien an gesunden Freiwilligen aus. Die Mehrzahl der Studien bestätigt unabhängig von Dosis, Alter und Geschlecht eine Zunahme des Tiefschlafs in der ersten Nachthälfte 6. Die Kehrseite: Bei allen Dosierungen nahm die Schlafunruhe in der zweiten Schlafhälfte zu 6, und der REM-Anteil der ganzen Nacht war in der Mehrheit der Studien bei mittleren und hohen Dosen verringert 6. Die Übersichtsarbeit berichtet also für die erste Nachthälfte mehr Tiefschlaf, für die Nacht insgesamt aber mehr Schlafunruhe. Auch Gesundheitsinformation.de nennt Alkohol unter den Dingen, die den Schlaf stören können 11.

Bewegung. Eine Metaanalyse von 66 Studien (Kredlow et al.) fand für einzelne Trainingseinheiten kleine positive Effekte unter anderem auf den Tiefschlaf 7. Eine weitere Metaanalyse mit 23 Studien zu Sport am Abend (Stutz et al.) fand, dass Training am Abend den Tiefschlaf um im Mittel 1,3 Prozentpunkte erhöhte, und kam zum Schluss, dass die Studien die Annahme nicht stützen, Abendsport beeinträchtige den Schlaf. Nach intensiver Belastung, die weniger als eine Stunde vor dem Zubettgehen endet, könnten Einschlafzeit, Gesamtschlafdauer und Schlafeffizienz allerdings leiden 8.

Alkohol und Bewegung im Zusammenhang mit dem Tiefschlaf
EinflussWas Übersichtsarbeiten berichtenQuelle
AlkoholMehr Tiefschlaf in der ersten Nachthälfte, mehr Schlafunruhe in der zweiten Hälfte, weniger REM-Schlaf bei mittleren und hohen DosenEbrahim et al. 2013 6
Einzelne TrainingseinheitKleine positive Effekte auf Tiefschlaf und weitere SchlafwerteKredlow et al. 7
Sport am AbendTiefschlafanteil im Mittel plus 1,3 Prozentpunkte; nach sehr intensiver Belastung kurz vor dem Schlafen kann der Schlaf leidenStutz et al. 8

Die Studien betrafen gesunde Erwachsene. Sie belegen Zusammenhänge im Mittel, versprechen aber keinen Effekt im Einzelfall.

Allgemeine Störfaktoren. Gesundheitsinformation.de listet auf, was den Schlaf insgesamt stören kann: Sorgen und Stress, belastende Lebensereignisse, Alkohol und Drogen, Schmerzen, nächtlicher Harndrang, Hitzewallungen, nächtliche Atemstillstände, Unruhe in den Beinen und bestimmte Medikamente 11. Für Maßnahmen wie leichte Abendmahlzeiten oder ein Bett nur zum Schlafen gibt es laut derselben Quelle bislang kaum aussagekräftige Studien 11. Nahrungsergänzungsmittel oder Geräte, die Tiefschlaf „steigern“, sind hier nicht empfohlen: Für solche Versprechen liegt in den ausgewerteten Quellen kein Beleg vor.

Wie gut messen Armband und Smartwatch den Tiefschlaf?

Die Stufe, in der Sie sich gerade befinden, wird im Schlaflabor an der Hirnaktivität erkannt. Ein Armband schätzt sie aus anderen Signalen. Im Laborvergleich mit sieben Verbrauchergeräten (Chinoy et al., 2021) gelang das Erkennen von Schlaf gut, die Bewertungen der Schlafstadien waren aber uneinheitlich 9. Die Stiftung Warentest überschrieb 2023 ihren Test von Smartwatch-Gesundheitsfunktionen mit „Nicht auf alle Werte ist Verlass“ 10. Mehr dazu im Ratgeber Schlaftracker: Was sie messen und was nicht.

Wann Schlafprobleme in die Arztpraxis gehören

Ein niedriger Tiefschlafwert auf dem Tracker ist eine Schätzung und kein Befund. Ein Gespräch in der Hausarztpraxis ist sinnvoll,

  • wenn Sie in mindestens drei Nächten pro Woche und länger als einen Monat so schlecht schlafen, dass Ihre Lebensqualität beeinträchtigt ist: Gesundheitsinformation.de spricht dann von einer Schlafstörung 11;
  • wenn Ein- oder Durchschlafprobleme Ihren Alltag beeinträchtigen: Das Frauengesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät zu einem Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt 12;
  • wenn Sie sich tagsüber so müde und abgeschlagen fühlen, dass Sie den Alltag kaum bewältigen, oder wenn der Verdacht auf nächtliche Atemstörungen oder Beinbewegungen besteht: Gesundheitsinformation.de nennt hier eine Untersuchung im Schlaflabor als sinnvolle Möglichkeit 11;
  • wenn Sie Alkohol zum Einschlafen nutzen: Besprechen Sie das offen mit der Praxis, denn Alkohol zählt zu den möglichen Störfaktoren des Schlafs 6,11.

Rechner zum Thema

  • Schlafzyklen berechnen rechnet Zyklen für Ihre Schlafdauer aus, direkt im Browser und ohne Datenübertragung.

Häufige Fragen

Wie viel Tiefschlaf ist normal?

Erwachsene verbringen typischerweise 10 bis 20 Prozent der Nacht im Tiefschlaf; die Sleep Foundation hält fest, dass es keinen Konsens über eine einzige normale oder ideale Zahl gibt 3. Bei sieben bis neun Stunden Schlaf entspricht das rechnerisch etwa 40 bis 110 Minuten.

Wie viel Tiefschlaf braucht man?

Dafür gibt es keine belastbare Einzelzahl. Orientieren Sie sich daran, ob Sie sich morgens und tagsüber erholt fühlen 3. Das passt zur Beschreibung guten Schlafs bei Gesundheitsinformation.de 1.

Verkürzt Alkohol den Tiefschlaf?

Eine Übersichtsarbeit berichtet das Gegenteil für die erste Nachthälfte, dort nahm der Tiefschlaf zu. Dafür nahm die Schlafunruhe in der zweiten Hälfte zu, und der REM-Anteil sank bei mittleren und hohen Dosen 6. Gesundheitsinformation.de nennt Alkohol unter den Dingen, die den Schlaf stören können 11.

Verändert Sport den Tiefschlaf?

Eine Metaanalyse fand kleine positive Effekte einzelner Trainingseinheiten auf den Tiefschlaf 7. Abendsport erhöhte ihn im Mittel um 1,3 Prozentpunkte; nach sehr intensivem Training kurz vor dem Schlafen kann der Schlaf leiden 8. Ein Erfolg im Einzelfall ist nicht garantiert.

Wie genau misst ein Armband den Tiefschlaf?

Nur als Schätzung. Im Laborvergleich mit sieben Verbrauchergeräten waren die Bewertungen der Schlafstadien uneinheitlich 9. Die Stiftung Warentest überschreibt ihren Test von Smartwatch-Gesundheitsfunktionen mit: Nicht auf alle Werte ist Verlass 10.

Warum fühle ich mich nach dem Aufwachen benommen?

Wer aus dem Tiefschlaf geweckt wird, kann sich nach der Sleep Foundation bis zu einer Stunde lang benommen fühlen (Schlafträgheit) 3.

Wird der Tiefschlaf im Alter wirklich weniger?

Ja. Kinder und Jugendliche haben den höchsten Tiefschlafbedarf, später nimmt er ab 3. Die Metaanalyse von Ohayon et al. fand bei Erwachsenen einen sinkenden Tiefschlafanteil mit dem Alter 5.

Quellen

  1. Was ist „normaler“ Schlaf?, Gesundheitsinformation.de, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), aktualisiert am 3. Juli 2024. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  2. Brain Basics: Understanding Sleep, National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), NIH. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Quelle.
  3. How Much Deep Sleep Do You Need?, Sleep Foundation (aktualisiert am 16. Juli 2025). Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Quelle.
  4. What Are the Stages of Sleep?, Sleep Foundation. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Quelle.
  5. Meta-analysis of quantitative sleep parameters from childhood to old age in healthy individuals, Ohayon et al., Sleep 2004, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Studie; Zusammenfassung gelesen.
  6. Alcohol and sleep I: effects on normal sleep, Ebrahim et al., Alcoholism: Clinical and Experimental Research 2013, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Übersichtsarbeit; Zusammenfassung gelesen.
  7. The effects of physical activity on sleep: a meta-analytic review, Kredlow et al., Journal of Behavioral Medicine, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Metaanalyse; Zusammenfassung gelesen.
  8. Effects of Evening Exercise on Sleep in Healthy Participants: A Systematic Review and Meta-Analysis, Stutz et al., Sports Medicine, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Metaanalyse; Zusammenfassung gelesen.
  9. Performance of seven consumer sleep-tracking devices compared with polysomnography, Chinoy et al., Sleep 2021, PubMed. Abgerufen am 16. Oktober 2026. Englischsprachige Studie; Zusammenfassung gelesen.
  10. Smartwatch-Gesundheitsfunktionen im Test: Nicht auf alle Werte ist Verlass, Stiftung Warentest (test.de, 21.12.2023). Abgerufen am 16. Oktober 2026. Einzelergebnisse kostenpflichtig, nur frei lesbare Angaben verwendet.
  11. Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie), Gesundheitsinformation.de, IQWiG. Abgerufen am 16. Oktober 2026
  12. Chronische Insomnie, Frauengesundheitsportal, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Abgerufen am 16. Oktober 2026